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TÄTÄÄ TÄTÄÄ!!

Willkommen in der Stadt des institutionalisierten Frohsinns!

Ich habe nämlich strumfrei. Jawohl. Ich sitze hier in Köln, in der Wohnung meiner Schwester und meines wilden Schwagers - letzteres Attribut bezieht sich lediglich auf die familienstandesrechtliche Natur unserer Verwandschaftsbeziehung, keineswegs auf den Charakter meines an sonsten überhaupt nicht wilden Schwagers. Daran ändert es auch überhaupt nix, dass er zwei riesige Hanteln auf dem Boden liegen hat. Wie ale albernen Jungs, die sturmfrei haben, versuche ich mich natü,rlich an den hanteln meines, man kann es gar nciht oft genug erwähnen, charakterlich gesehen lammfrommen, Schwagers - und scheitere kläglich. Deshalb versuche ich es jetzt mit dem Computer meiner Schwester - geht schon besser. Muss Euch schließlich auf dem Laufenden halten.

Ich bin also jetzt in Köln und besuche eine dreitägige Fortbildungsveranstaltung, mit dem Ziel, nach dieser Qualifizierungsoffensive endlich einen neuen Job zu finden, und dieses Lotterleben an den Nagel zu hängen. Heute war der erste Tag und es fing auch gleich gut an.

Die Straßenbahn war nämlich gesteckt voll, ich hatte gerade noch den letzten freien Sitzplatz erwischt und die Straßenbahn wurde immer voller und voller. An der Haltestelle Zoo/Flora bemerkte ich das erste mal einen eigentümlichen Duft. So wie ein Matratzenlager nach drei Tagen überschwemmmung. Oder eher wie ein frisch geöffnetes Pharaonengrab. Ich dachte mir weiter nix. In Köln gibt es ja öfter mal Hochwasser, und da wird dann wohl der eine oder andere Kleiderschrank etwas in Mitleidenschaft gezogen. Aber es kam noch besser. Der Besitzer dieses Dufts kam nämlich näher und stellte sich genau neben mich. In der Hand hielt er - wie ein sehr wertvolles Amulett - ein Stückchen Holz, etwa zehn mal zehn Zentimeter groß und flach. Wahrscheinlich das übriggebliebene Ende eines abgesägten Bretts.

Häufig - ich wüsste selbst gern, warum - wenden sich Menschen in Not Hilfe suchend an mich, aber heute hatte ich Glück. Der Holzbesitzer, der übrigens in einem sehr dicken, beigen, gesteppten Anorak stak, wandte mir den Rücken zu (bei dieser Bewegung lösten sich ein Dutzend weisser Daunenflöckchen aus den Nähten und swchneiten auf mich und die anderen Fahrgäste) und fragte ein sehr harmloses, dunkelhaariges Mädchen, ob sie nicht eine Plastiktüte für ihn hätte.

Das Mädchen presste die Lippen zusammen, als hätte sie Angst, dass ihr eine modrige Daunenfeder in den Mund schweben könnte, schüttelte wild den Kopf, und ihre verschreckten rehbraunen Augen sagten mehr als "Nein".

Da schmiss der Wüterich mit Schmackes sein Holz ihr und den anderen Fahrgästen zwischen die Füße und brüllte "Soll ich das vielleicht die ganze Zeit in der Hand halten?"

Totenstille erfüllt den Wagon. Wild funkelt ein Augenpaar. Verwesungsgestank liegt in der Luft (wie wir schon wissen).

Ein beherzter und beleibter Mann legt dem Zornigen nahe, zu "relaxen". Und schließlich hebt er sein Holz auf und nimmt zur Erleichterung aller auf einem eben frei gewordenen Sitz Platz. Die Menge läßt um ihn einen Halbkreis von eineinhalb Metern frei. Der Mann grummelt noch ein bischen, und da kommt schon der Zülpicher Platz und ich muss den Mann mit seinem Holz verlassen, und werde nie erfahren, wozu er es gebraucht hat.

Meine Fortbildungsveranstaltung hat eigentlich gar nichts mit Geologie zu tun. Trotzdem findet sie im kleinen Hörsaal des Instituts für Geologie statt. Das passt auch gut. Denn an der Wand hängt eine Weltkarte, bei der Kontinente in gelb, grün und rosa sind, je nach dem ob Trias, Kreide oder Jura, und die von vier, fünf gewölbten Längen- und Breitengraden durchzogen sind, so dass die Erde so richtig plastisch kugelig aussieht. Und wie es der Zufall will, haben wir die ersten zwei Stunden "Arbeitsrechtliche Aspekte", und der Dozent hat einen so schönen prallen Bierbauch, dass die Erdkugel, die gleich neben ihm hängt, geradezu abflacht im Vergleich.

Der Bierbauch steckt in einem stramm sitzenden Blütenweissen Hemd, der Hosenbund hat gegen den Bauch Null Chance und schmiegt sich in einer sanften Kurve der Wölbung an. Die beiden Hosenträger links und rechts empfinden ohnehin den anatomischen Verlauf zwanglos nach und in der Mitte hängt über dem ganzen eine Krawatte.

Ich blicke vom Bauch zur Erdkugel, von der Erdkugel zum Bauch ... was an dem ganzen Bild stört ist einzig, dass dem Dozenten für Arbeitsrecht der Äquator fehlt.

Nach der Mittagspause hatten wir eine Referentin mit sehr ausgeprägtem Oberbiss. Mir fiel auf, dass ich schon lange keine Vorlesung mehr gehört hatte, sonst hätte ich wohl mehr Aufmerksamkeit auf den Inhalt der Veranstaltung gelegt als auf die kleinen körperlichen Gebrechen derer, die ihre wertvolle Zeit dafür opfern, mir die Quintessenz ihres in vielen langen Jahren erworbenes Wissen in mundgerechten Häppchen beizubringen. Das Einzige, was ich von diesem dreist&uum;ndigen Vortrag noch in Erinnerung habe, war die schöne Formulierung aus dem "Embryonenschutzgesetz": "Missbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken"