Martin Schulman
Karma, Aszendent und Mondknoten

Extract from: 'The Ascendant - Your Karmic Doorway' 
Autor: Martin Schulman
Published by Samuel Weiser, Inc. U.S.A. York Beach, Maine. 1988.
 

    "Das Konzept des Karmas als Ursache für die Reinkarnation von Seelen bringt die faszinierenden Obertöne des essentiellen Lebenssinnes in die Astrologie. Wir alle haben hier noch zu lernen. Wir durchlaufen unterschiedliche Erfahrungen und erlangen dadurch ein Verständnis, das uns schließlich in unserer Evolution weiter führt. Ohne Erfahrung gibt es kein Wachstum. Diese Erfahrungen werden für uns durch denjenigen Bewußtseinspunkt gebündelt, den wir mittels des Aszendenten wahrnehmen. Auf diese Weise lernen wir unseren Platz in der Welt durch alles kennen, was durch unsere Persönlichkeit gefiltert wird. Machmal sind solche Lektionen äußerst schwer zu lernen. Oft geschieht es, daß wir jahrelang immer wieder die gleichen Erfahrungen durchlaufen müssen, bevor wir begreifen können, was wir da aus der äußeren Umgebung aufnehmen. Jedesmal, wenn wir eine karmische Lektion gelernt haben, wird das Leben leichter. Wir brauchen dann nämlich nicht mehr das Gewicht der Informationen, Gefühle oder Meinungen zu tragen, die Teil dieser Lektion waren. Aus diesem Grund kommt es nicht nur darauf an, daß wir unser Karma kennenlernen, sondern daß wir wirksame Methoden kennenlernen, diejenigen Lektionen zu begreifen, die unsere Seele uns zufürt. Einer der Gründe dafür, warum so viele Menschen Schwierigkeiten mit der Erfüllung ihrer karmischen Verpflichtungen haben, liegt daran, daß es zwei verschiedene Arten von Karma gibt. 

Auf der einen Ebene gibt es das persönliche Karma. Es setzt sich aus den Fehlern oder Mißverständnissen in Gedanken, Gefühlen oder Handlungen aus vergangenen Leben zusammen, die die Seele als Rest mit in dieses Leben gebracht hat und die zu korrigieren sind. Ebenso wie die Fehler und Mißverständnisse unserer Vergangenheit, gibt es Handlungen im derzeitigen Leben, die uns ebenfalls beeinflussen. In beiden Fällen bezieht sich dies auf das persönliche Karma. Auf eine andere Art Karma bezieht sich der bekannte Psychologe C.G. Jung, wenn er sagt: "Das Karma erschafft sich auf unpersönliche Weise stets neu." Jung wies in diesem Fall auf die unpersönlichen Handlungen eines unpersönlichen Universums hin. Was wir für "Gottes Willen" halten, wie etwa ungewöhliche Witterungen, seltene Vorfälle oder sogar die unpersönlichen Bewegungen der Planeten, all dies geschieht innerhalb der Gesetze von Ursache und Wirkung, die wir als Karma bezeichnen. In diesem Sinne ist Karma nichts Persönliches, obwohl von diesen unpersönlichen Vorgängen Menschen persönlich betroffen werden können. Wir sehen also, daß das Leben aus individuellen Erfahrungen besteht, die wir auf unserem persönlichen Entwicklungsweg durchlaufen, wie auch aus den unpersönlichen Erfahrungen, die wir in der Entfaltung des Universums beobachten. 

Moden sind ein ausgezeichnetes Beispiel für unpersönliches Karma. Persönlich maßgeblich sind sie nur für diejenigen Personen, die sie entwerfen, oder auch vielleicht für diejenigen, die daran verdienen. Alle anderen Menschen, die sich von den jährlich wechselnden Modeströmungen verlocken lassen, lassen sich persönlich von Anteilen unpersönlichen Karmas beeinflussen, das in der Welt existiert. 

Manche Menschen werden stark davon beeinflußt, was andere von ihnen denken. Solche Menschen brauchen für ihr Selbstwertgefühl die Anerkennung anderer. Indem sie ihr Wesenszentrum in andere verlegen, kehrt sich natürlich ihre Bewußtseinsausrichtung um. Ihre Persönlichkeit wird zum Produkt äußerer Einflüsse. Tritt so etwas auf, so kann man leicht erkennen, wie diese Menschen Schwierigkeiten mit ihrer Identität, ihrem Ego oder ihrer Beziehung zu sich selbst bekommen. Wichtiger daran ist jedoch die Auswirkung, die solche Identifikationen auf unsere Fähigkeit haben, mit unserem Schicksal umzugehen. 

Konzentriert sich eine Persönlichkeit in den äußeren Bedingungen der Umgebung, so läuft sie Gefahr, sich mit unpersönlichem Karma zu identifizieren. Auf diese Weise nimmt ein Individuum vieles in sich auf, was ihm ein veräußerlichtes Bewußtsein vorschreibt. Sein Innenleben wird nicht nur von den wechselnden Moden der Außenwelt, sondern auch von den wechselnden Sitten und Gebräuchen einer sich stets verändernden Gesellschaft beeinflußt. Ist gerade eine bestimmte Kleidung in Mode, so fühlt sich dieser Mensch verpflichtet, sich dem Trend anzuschließen und so weiter. 0hne sich darüber klarzuwerden, wird er schnell persönlich verwickelt oder wehrt sich insgeheim gegen die vielen Variablen des universellen Bewußtseins, das ihn nur von seinem eigenen, persönlichen Karma abhält. Der Lebensstil kann dann sehr leicht hauptsächlich davon bestimmt werden, "mit den Meiers mitzuhalten". Oder man strengt sich sehr an, mit etwas zu konkurrieren, mit dem sich persönlich nicht konkurrieren läßt. Für einen Menschen, der seinen Aszendenten auf solche Weise einsetzt, ist es so gut wie unmöglich, sein Karma kennenzulernen, geschweige denn den Drang nach dessen Erfüllung zu spüren. Wenn wir nur daran denken, wie viele Individuen ihr Leben tatsächlich derart "umgekrempelt" leben, dann verstehen wir leicht, warum die Evolution unserer Art so überwältigend langsam verläuft. 

Bringen wir den Fixpunkt unseres Bewußtseins in die richtige Perspektive, so läßt sich Jungs Definition des unpersönlichen Karmas leicht als eine Bühne verstehen, auf der das Spiel des persönlichen Schicksals aufgeführt wird. Der Aszendent kann uns davor schützen, am Karma teilzuhaben, das für unsere eigene Erfahrung nicht notwendig ist. Er führt uns zu genau den jeweiligen Gedanken, Handlungen oder Bewußtseinsschritten, die uns beim Erleben unseres 
persönlichen Karmas helfen. In jedem menschlichen Wesen gibt es eine Persönlichkeit und eine Seele. Die Seele scheint manchmal zu schlafen, weil sie noch nicht zu ihrem spirituellen Zweck erweckt worden ist. In solchen Fällen ist die Funktion der Persönlichkeit ziemlich bedeutungslos, wie ein Korken, der auf den alltäglichen Gefühlströmungen hin- und her- schwimmt. Erwacht die Seele jedoch zu ihrem eigentlichen Sinn, so verändert sich das Leben grundlegend. 

Alle Erfahrungen der Persönlichkeit spiegeln dann das symbolische Ausleben einer höheren Bedeutung, eines höheren Bewußtseins und eines tiefen Gefühls persönlicher Erfüllung innerhalb des unpersönlichen - Ganzen. Was aber läßt die Seele erwachen? 

Die Mondknoten symbolisieren die individuellen Lektionen im Leben, die für das Wachstum der Seele zu erlernen sind. Sie symbolisieren den eigentlichen Kontakt einer persönlichen Seele mit dem Plan Gottes. Auf diese Weise wird die Richtung vom südlichen zum nördlichen Mondknoten zu einem direkten Pfad des Fortschreitens aus der Vergangenheit zu einer ewig werdenden Gegenwart und zu den Möglichkeiten der Zukunft. 

Es ist jedoch eine Sache, von den Lektionen in unserem Leben zu wissen, und eine ganz andere, sie auch umsetzen zu können. Als ein Ausdruck des göttlichen Willens ist die Menschheit ein ätherisches Konzept, und als solches für ein Individuum oft schwer zu begreifen. Und doch ist die Möglichkeit der persönlichen Entwicklung, die Verbesserung unserer selbst und das Erblühen unseres Wesens etwas, was unsere Sensibilität hinreichend fasziniert, um auch in einem universellen Maßstab die stete Motivation zur menschlichen Evolution zu bilden. Denken wir jedoch an das Individuum, so muß es einen Verbindungspunkt zwischen den höheren Bestrebungen des Bewußtseins und der Fähigkeit geben, in der profanen Welt zu existieren. Die Mondknoten brauchen sozusagen ein Werkzeug, durch welches die Lektionen der Seele auf der Erde erfahrbar werden. 

Dieses Werkzeug stellt der Rest des Horoskops dar. Die verschiedenen Planetenstellungen und die Aspekte zwischen ihnen zeigen das Potential eines Individuums an. Sie bilden die eigentliche Matrix seines Lebens. Die Aspekte im Horoskop helfen, das Individuum im Raum festzulegen. Die Vektoren und Eigenschaften dieser Aspekte dienen als ein Bezugsrahmen, anhand dessen die Qualitäten und Quantitäten seines Potentials verstanden werden können. Die Mondknoten bringen ihn in Berührung mit der transzendenten Qualität der ewigen Zeit. So muß das ganze Horoskop im Zusammenhang dessen arbeiten, was die Mondkonten aussagen. Das Potential eines Individuums wird auf den Pfad ausgerichtet, der die Seele zur höchsten erreichbaren Entwicklung führen kann. 

Wird das Horoskop nicht auf diese Weise gesehen, so fehlt im menschlichen Potential der Rahmen, innererhalb dessen es sich manifestieren kann . Das persönliche Potential kann sich dann in Bereiche ergießen, die für das innere Wesen entweder bedeutungslos sind oder wenig zur Förderung der menschlichen Evolution beitragen. Das Horoskop wird also zu einem bloßen Behälter, durch den die Bedürfnisse der Seele fließen. 

Die Beziehung zwischen den Mondknoten und dem Horoskop können wir als das schlummernde Potential ansehen, das auf einen bestimmten Weg gebracht werden muß. Doch fehlt immer noch ein Bindeglied. Ein Individuum mag die Lektionen kennen, die es aufgrund seiner Mondknoten lernen soll, und kann sich auch in Berührung mit dem Potential befinden, die es für die Meisterung dieser Lektionen in Form planetarer Kräfte und Konstellationen innerhalb des Horoskops besitzt.

Es fehlt aber immer noch der sinnvolle Kontakt mit der äußeren Umgebung durch die Persönlichkeit, sofern die Lektionen zu einem Teil seiner Beziehung mit der Welt werden sollen, in der es lebt. Dieses dritte Bindeglied fritt in Form des Aszendenten auf. Hierin kann das Individuum die Richtung seiner Seele (die Mondknoten) mit seinem Potenzial (Planetenstellungen und Aspekte im Horoskop) auf einer Ebene zum Ausdruck bringen, die sich persönlich auf die alltäglichen Erfahrungen des Leben beziehen läßt. Der Aszendent wird zum Tor, durch welches sich schließlich alles manifestieren läßt, was ein Individuum ist und anstrebt." 

volker doormann    -  2002.06.01