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Elgard & Klaus auf Weltreise: Von Harare nach Mbabane (Swaziland)

Liebe Freunde!
Nach 23'500 km im Sattel, 1.5 Jahren unbterwegs (533 Tage, 294 davon gefahren),
171 Zeltnaechten, 52 Platten, 6 gebrochenen Speichen, 8 abgewetzten Pneus, je 2
Saetzen verbrauchten Bremskloetzen und keinelei gesundheitlichen, technischen
oder anderweitigen nennenswerten Problemen, schreiben wir Euch heute den wohl
zweitletzten Bericht! Der letzte duerfte Auch dann von unserem Ziel  Capetown so
um die Weihnachtszeit herum erreichen.
Unser Zielland Suedafrika (RSA) haben wir bereits am 24.10.00 erreicht, heute
schreiben wir aber aus Mbabane, der hauptstadt des Koenigreiches Swaziland
(wieder ein Land, das die Schweiz Afrikas genannt wird).
Wettermaessig ging ziemlich genau mit dem Eintritt nach RSA eine sehr lange
regelose Zeit zu Ende. Nun gewittert es fast jede Nacht heftig und wir muessen
uns ab und zu gegen den Regen schuetzen. Wir wissen, dass das nichts ist im
Vergleich zu den Wetterereignissen bei Euch, aber fuer uns ist es eben
aussergewoehnlich. Tagsueber entwickelt die Sonne dann ihre unheimlhce
sommerliche Staerke und kann erbarmungslos auf uns niederbrennen.
Nun koennt Ihr wieder unsere Route mit dem Finger nachfahren, wenn Ihr den
folgenden Orten folgt: Harrare, Rusape, Juliasdale, Nyinga Nationalpark, Mutare,
Mvumba Mountains, Hot Springs, Birchenough Bridge, Great Zimbabwe, Masvingo,
Bulawayo, Victoria Falls, Bulawayo, Beitbridge, Messina (RSA), Louis Trichardt,
Devilsclove, Gravelotte, Phalaborwa, Kruger Nationalpark, klein Drakensberg,
Hoedspruit, Hazyview, Bushbuckridge, Nelspruite, Barberton, Piggs Peak
(Swaziland), Mbabane.
Harare verlassen wir in Richtung Eastern Highlands mit einem Raetsel in unseren
Koepfen, das uns die beiden englischen Reisenden Ben und Sheilla gepflanzt
hatten. Sie selber (Autofahrer) haben die Loesung nie rausgefunden, wir
(Velofahrer) nach einem halben Tag Gruebeln im Sattel aber schon. Wir wollen
Euch das Raetsel natuerlich nicht vorenthalten, es geht so: Ausganslage sind 12
ausserlich volkommen identische Kugeln. 1 davon hat ein anderes Gewicht als die
restlichen, die also alle genau gleich schwer sind. Wie kann man nun mit Hilfe
einer Pendelwaage mit hoechstens 3 Mal waegen herausfinden, welches die Kugel
mit dem anderen Gewicht ist? Viel Spass beim Gruebeln, vielleicht gehts besser
auf einer Ausfahrt auf dem Velo (es gibt uebrigens keinen Trick und es ist auch
keine Fangfrage).
Bevor wir nun losfahren noch eine grundsaetzliche Bemerkung: Seit Zimbabwe sind
wir in einen Teil Afrikas eingetaucht, der deutlich hoeher zivilisiert ist, d.h.
der Alphabetisierungsgrad ist merklich hoeher, die Menschen besser gebildet und
politischer, die Presse hat eine ganz andere Qualitaet, ebenso die Strassen und
Autos. Sanitaereinrichtungen weisen einen hoeheren Standard auf und
funktionieren meist und die Supermaerkge sind sehr gut bestueckt. Das heisst,
dass Reisen in der ganzen Region fuer 'normale' Touristen voellig problemlos
sein sollte.
So, wir radeln also in die Eastern Higland, zuerst in den Nyianga nationalpark,
wo angenehmes Klima, Berge, Wasserfaelle, Seelein und Baehe zum Baden und
Fliegenfischen (Forellen) locken. Eine sehr schoene Gegend, welche die weissen
Zimbabwer sehr schaetzen. Wir schaetzne die Farmstalls, die Frueckte, Gemuese,
Kaesse, Confituere frisch von den Farmen entlang der Strasse verkaufen. Aehnlich
sind die Bvumba Mountains, die wir auch mit den Radels erklimmen. Man sollte
hier wandern, aber wir beschraenken unsere Aktivitaeten auf einen Spaziergang
zum legendaeren Leopard Rock Hotel. Es verfuegt ueber einen der schoensten
Golfplaetze der Welt, ist natuerlich ein Luxushotel und hat ein eigenes Casino.
Zu sensationell tiefem Preis essen wir ein sensationell gutes Mittagessen und
geniessen die sensationelle Aussicht von der sensationellen Terrasse, waehrend
im Casino einige Weisse in duesterem Licht sinnlos Geld in einarmige Banditen
schmeissen. Was fuer eine Welt!
Einen Blick in die Vergangenheit der zimbabweschen Kultur werfen wir in Great
Zimbabwe, der bedeutendsten Ruine suedlich der Sahara. Riesige Bauwerke, v.a.
Mauern aus Steinen, die ohne Moertel sehr exakt aufeinandergeschichtet sind,
geben Historikern noch heute Raetsel auf (habt Ihr unseres schon geloest?). Auf
dem Weg dahin machen wir uebrigens wieder einmal eine aeusserst interessante
Bekanntschaft: In einem Bed&Breakfast ist zufaellig der Besitzer auch gerade 'zu
Gast'. Es ist der Botschafter von Zimbabwe in den USA. Er war langjaehriger
juristischer Berater Mugabes und hat schon vor der Unabhaengigkeit und auch
danach den Verhandlungen mit u.a. Jimmy Carter, Ian Smith, Margaret Thatcher,
John Major, der Reagan-, Bush- und Clintonadministration beigewohnt. Er hat
natuerlich eine andere (z.T. propagandistische) Sicht der Dinge in Zimbabwe, was
uns aufzeigt, wie weit zurueck die Ursachen der heutigen Krise reichen und wie
komplex sie sind.
Wieder eine andere Sicht (wohl mit etwas weniger Propaganda) erhalten wir von
einem Beamten, der im Landwirtschaftsministerium fuer Ausbildung zustaendig ist
und zur Zeit gerade mit der Landumverteilung beschaeftigt ist. Obwohl vom Staat
angestellt, wuenscht er Mugabe zum Teufel. Dennoch ist auch fuer ihn klar, dass
das Landproblem geloest werden muss. Eine Ansicht, die anscheinend schon Henry
Kissinger vertreten hat, aber im Gegensatz zu den meisten anderen ehem.
Kolonien, wo die Landumverteilung gleich nach der Unabhaengigkeit stattgefunden
hat, warten die Unabhaengigkeitskaempfer (War Verterans) Zimbabwes seit 20
Jahren vergebens auf ein Stueckchen Land. In Zimbabwe besitzen 4500 weisse
Farmer 70 % des fruchtbarsten Landes (30 % des gesamten Landes). Das Stossende
ist, dass viele Farmen gar nicht genutzt werden. Zimbabwe hat uebrigens 11 Mio.
Einwohner. Die meisten unterstuetzen die Art und Weise, wie die Lanumverteilung
angegangen wir ueberhaupt nicht, weil eben trotz anderslautender Plaene auch
produktive Farmen enteignet werden.
Unser naechster Halt ist Bulawayo, die Hauptstadt des Matabelelandes, der Gegend
des zweiten Haupttribes in Zimbabwe (der andere sind die Mashona, der Tribe des
Praesidenten). Sie gilt als zweitschoenste Stadt im suedlichen Afrika hinter
Capetown. Es ist wirklich ein schoenes Fleckchen Erde mit einem fabelhaften
staedtischen Campingplatz (uebrigens haben seit Zimbabwe alle Campingplaetze
ebensoviele Badewannen wie Duschen!). Hier stellen wir unsere Velos ein und
besteigen den Bus an die Victoria Falls. Am Ankunftstag sehen wir sie nocht
nicht, aber sie sind deutlich zu hoeren. Dafuer werden wir wieder einmal mit
Wildlife konfrontiert. Am Abend, auf dem Weg zum Camping, haelt uns ein
Autofahrer an und sagt, wir koennten zu Fuss nicht weiter, weil Bueffel etwas
weiter vorne grasen. Ein anderer Autofahrer nimmt uns mit uns so kommen wir
sicher an den Respekt einfloessenden Tieren vorbei. Vorher haben wir noch eine
Sundownerschiffsfahrt auf dem Zambezi gemacht. Eine fabelhaft lockere Sache. Man
tuckert ganz gelassen auf einerkleinen schwimmenden Plattform mit Tischen,
Stuehlen, Drinks und Snacks in der Abendsonne  auf dem Zambezi oderhalb der
Faelle herum und beobachtet Elefanten, Nilpferde, Krokodile, Antilopen und
Voegel beim Trinken, Spielen, sich Sonnen oder Fressen. Spaeter positionieren
sich alle Schiffe so, dass man den Sonnenuntergang geniessen kann und dann geht
es wieder zurueck. So muesste eigentlich jeder Abend beginnen!
Am naechsten Morgen stehen wir in aller Fruehe auf, weil wir die Falls bei
Sonnenaufgang sehen wollen. Die Bueffel sind aber immer noch da! Da wir keine
andere Wahl haben, muessen wir zu Fuss an ihnen vorbei. Ihr muesst wissen, dass
Bueffel die unangenehme Angewohnheit haben, sich mit dem ganzen Koerper Richtung
potentiellem Angreifer zu richten und den Kopf zu senken, als wollten sie gleich
losrennen, was immer recht angsteinfloessend ist. Zudem greifen sie gleich als
ganze Herde gemeinsam an. Aber die Tiere lassen uns in Ruhe (in der Regel
greifen wilde Tiere nicht grundlos an). So muessen wir nur noch an den Elefanten
vorbei, die auf der anderen Strassenseite gerade einige Baume mit lautem Krachen
umlegen. Na ja, wenigstens sind wir jetzt hellwach!
Die Victoria Falls selber sind eine Wucht! Jetzt in der Trockenzeit stuerzt
deutlich weniger Wasser z.T. ueber 100 Meter in die Tiefe (doppelt so hoch wie
die Niagarafaelle und 1.5 mal so lang; die groessten Wasserfaelle der Erde).
Dafuer hat man klare Sicht auf die Felskante, ueber welche das Wasser laut
tosend stuerzt. Die ganze Gegend ist kaum berbaut, an den steilsten Stellen gibt
es keinerlei Gelaender, man kann einfach so an den Abgrund der riesigen Schlucht
stehen und staunen, staunen, staunen. Wer fruehmorgens  geht, hat die Faelle
uebrigens sozusagen fuer sich alleine.
Frueh am darauffolgenden Morgen besteigen wir wieder den Bus und sind mittags
schon wieder in Bulawayo. Wieder ohne Velos fahren wir in die Matopos-Huegel,
eine einzigartige Landschaft, in der in typischer Zimbabwe-Manier riesige
Felsbloecke und -kugeln aufeinanderliegen. Sehr speziell sind auch die
Hoehlemalereien und die Aussichten in die aussergewoehnliche Landschaft.
Langsam muessen wir Zimbabwe den Ruecken kehren. Es geht nun geradlinig nach
Sueden, Richtung Suedafrika, dem wir mit etwas gemischten Gefuehlen entgegen
sehen. Trotz der aktuellen Krise war Zimbabwe fuer un in jeder Beziehung eines
der schonsten Laender uaf unserer Reise mit unheimlich netten und interessanten
Menschen.
Nun stehen wir also in Beitbridge an der Grenze zur Republik Suedafrika (RSA).
Und tatsaechlich, es erwartet uns wirklich eine andere Welt. Der Grenzposten
sucht wohl seinesgleichen in anderen Teilen Afrikas. Es hat deutlich mehr
Verkehr und es wird grausam gerast. In Messina betreten wir wie schon in
Zimbabwe unseren Lieblingssupermarkt, den Spar. Uns fallen fast die Augen raus.
Hier gibt es einfach alles in unheimlicher Huelle und Fuelle, Fruechte, Gemuese,
Gleisch, Getraenke, Weine und alles, was es sonst noch so braucht. Und der
Coca-Cola-Barometer, der das Entwicklungs- bzw. Wohlstandsniveau widerspiegelt,
erreicht Hoechstwerte: Hier gibt es 2-Literflaschen als Maximalgroesse, in
Zimbabwe war es noch 1 Liter und in anderen Laendern 5 dl, 3.5 dl, 3.3 dl oder
gar nur 3 dl. Die Campsite ist der pure Luxus, einfach wahnsinnig. Auch die
Menschen sind beeindrucken, noch nie haben wir so unheimlich viele Faelle von
gewaltiger Fettleibigkeit gesehen. Das scheint hier voellig normal. Die Weissen
essen 3 Mal pro Tag Fleisch! In den Supermaerkten gibt es nur Low Fat-Produkte,
die ihre Wirkung aber offensichtlich voellig verfehlen!
Das 'Zusammenleben' von Scharz und Weiss hier (in dem Teil, den wir bisher
gesehen haben), ist selsam. Zwar sehen wir erstmals in Afrika Weisse, die in
'untergeordneten' Positionen arbeiten (z.B. Waren an der Kasse einpacken und zum
Auto tragen), aber sonst ist einiges befremdend. Die Schwarzen leben in
Townships, vor denen uns die Weissen dauernd warnen. Dort leben die Schwarzen
einfach so, wie ueberall in Afrika, nicht besser und nicht reicher. Die Weissen
sagen uns selber, sie haetten Angst vor den Schwarzen und dass sie deren Welt,
Leben und Kultur gar nicht kennen. Viele Weisse sind bewaffnet, in Bars steht
immer der Hinweis, dass keine Guns erlaubt sind, es ist wohl wie im wilden
Westen (oder in einigen Teilen der heutigen USA). Wir sind zum Teil auf
unglaublichen, offen ausgesprochenen  Rassismus ("wir sind eine ueberlegene
Rasse, die Schwarzen Abfall") gestossen, der Normalfall ist aber einfach totaler
Zukunftspessimismus der Weissen und verstaendliche Ungeduld der Schwarzen. Im
Gegensatz zu allem, was wir bisher erlebt haben, sind die Schwarzen hier uns
gegenueber im besten Fall zurueckhaltend. In Supermaerkten werden wir nicht
gegruesst oder kaum wahrgenommen, alles wirkt bedrueckt und man sieht eigentlich
niemanden lachen. Erst wenn wir den ersten Schritt machen, tauen die Leute
(Schwarze) etwas auf. Gemischte Paare oder Kontakte ueber die 'Farbgrenze'
hinweg sehen wir keine. Das Zusammenleben scheint angespannt. Die Weissen sind
sehr freundlich, immer froh, mit Touristen reden zu koennen und sehr hilfsbereit
und gastfreundlich.
Wir entfliehen dieser seltsamen Welt fuer einige Tage als wir mit einem
Mietwagen im Kruger Nationalpark herumfahren. Der Park ist ganz anders als
andere Parks, viel weniger wild, alles ist hervorragend organisiert, mit einem
guten Strassennetz, Karten, ausgezeichneten Campsites (es gibt auch alle anderen
Unterkunftsarten) und sehr vernuenftigen Preisen. Viele Suedafrikaner bleiben
gleich wochenweise mit ihrem Caravan im Park! Der Park ist mit einer Laenge von
350 km und einer Breite von durchschnittlich 80 km einer der groessten und der
artenreichste der Welt. So entdeckt man laufend die unterschiedlichsten
Kreaturen und ist nicht immer nur auf der Suche nach den 'Big Five'. Das
Highlight erleben wir dann aber doch mit Loewen. Elgard entdeckt neben der
Strasse im Gras zwei Loewinnen, die gerade einen Impala festhalten und zu
verzehren beginnen. Auf einmal kommen hintereinander aus dem Gebuesch 1, 2, 3, 4
ja 9 junge, niedliche Loewenkinder gerannt und stuerzen sich auf die Beute. Es
bildet sich ein Loewenknaeuel, das unnachahmliche Fress- und Gerangelgeraeusche
von sich gibt. Ab und zu gelingt es einem jungen mit einem ganzen Bein in der
Schnauze zu entwischen. nach kurzer Zeit ist der Impala verspeist und der Spuk
so  schnell zu Ende wie er begonnen hat. Zur Zeit haben uebrigens viele Tiere
Nachwuchs, was natuerlich eine besondere Attraktion ist.
Unseren motorisierten Untersatz nutzen wir nach dem Kruger Park fuer einen
Abstecher in die Klein Drakensberge, von wo aus man tolle Blicke, ueber bis 1000
Meter tiefe Abgruende, haben soll. Aber eine Stunde nach bruetender Hitze in der
Tiefe des Parks finden wir uns auf 2000 Metern in dichtestem neben und sehen
kaum die Hand vor Augen.Wir lassen deshalb von unserem urspruenglichen Plan ab,
diese recht steilen Berge mit dem Velo zu erklimmen, weil der gerechte Lohn
(Aussicht) ja nicht gesichert ist und mit den 'richtigen' Drakensbergen noch
genug challenge auf uns wartet.
Spaeter wieder mit dem Velo unterwegs laedt uns ploetzlich ein Weisser zu sich
auf seinen Private Game Park (privater Tierpark) ein. Es gibt davon 9000 in RSA!
Viele bieten, wie auch unser Gastgeber Joshua, Hunting Safaris an. Anstelle von
natuerlichen Feinden wie Loewen erlegen Jaeger jedes Jahr waehrend der
Jagdsaison eine von der vorhandenen Tierpopulation abhaengige Anzahl Tiere. So
kann man fuer 275 Rand (70 CHF) ein Warzenschwein schiessen, fuer einen
Elefanten werden schon mal 50'000 USD auf den Tisch gelegt! Die Trophaeenjaeger
kommen aus den USA und Europa, die Suedafrikaner, passionierte Jaeger, jagen
wegen des Fleisches, dass sie dann fuer den Eigenkonsum mitnehmen. Joshua, der
ehemalige Leiter des Krankenhauses von Nelspruit, der Hauptstadt der Provinz
Mpumalanga, nimmt uns in seinem unglaublich alten Jeep auf einen Game Drive mit.
Das eine Woche alte Nashorn sehen wir zwar nicht, dafuer wieder Unmengen an
anderen Tieren, u.a. eine Black Mamba (giftigste Schlange) und kurz vor dem
Schlafengehen in Betten unter freiem Himmel erlegen wir einen Skorpion unweit
von unseren Betten.
Ueber Nelspruit wo wir in einem ausrangierten Eisebahnwagon (Schlafwagen 2ter
Klasse) schlafen, fuehrt uns der Weg nach Barberton zum Saddlebackpass, unserer
Route ins Koenigreich Swaziland. Wir sehen schon von weitem was da auf uns
zukommt, oh Schreck! Es wird sehr steil. Auf den ersten 8 km mehr als 10%
Steigung - das zum Glueck aber noch auf geteerter Strasse - dann geht es weiter,
mehr auf- als abwaerts auf einer Piste. Unsichere deutsche und franzoesische
Touristen fragen uns ob das wirklich der richtige Weg nach Swaziland sei. Nach
6.5 Stunden haben wir die 42 km bis zur Grenze hinter uns gebracht. Der Himmel
hat sich in der Zwischenzeit bedenklich verdunkelt und schon die Grenzbeamten
kuendigen ein Unwetter an. Der vermeintlich groessere Ort Bulembu besteht nur
aus einer stillgelegten Asbestmine (und vielen verlassenen Arbeiterhuetten) hat
aber keinerlei Unterkunftsmoeglichkeiten. Wir muessen also noch weitere 20km
Piste nach Piggs Peak hinter uns bringen. Ein suedafrikanischer Schrotthaendler,
der auf einer Auktion viel Material von der Mine gekauft hat, bietet uns einen
"Lift" an, den wir gerne annehmen (besonders Elgard ist froh). Gerade noch
rechtzeitig vor dem heftigen Gewitter, es blitzt donnert und schuettet
unglaublich, koennen wir unser noch nasses Zelt aufstellen. Die
Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Suedafrikaner ist gross, so ist
schon vorgekommen, dass einer aus dem Auto heraus fragt: "Habt Ihr schon eine
Uebernachtungsmoeglichkeit fuer heute?".
Auch unser 2ter Tag im schoenen Swaziland hat es in sich. Nach einer 5km
Steigung geht es hinunter bis auf 700 Meter. Danach, wie sollte es anders sein,
muessen wir uns ueber 11 km wieder auf 1500 hocharbeiten. Es ist heiss, schwuel
und anstrengend, aber schoen. Einmal oben angekommen rollt es aber sofort
besser. Es geht auf und ab zwischen saftigen gruenen Huegeln bis nach Mbabane
der Hauptstadt. Auch Swaziland nennt sich scheinbar wieder einmal die Schweiz
Afrikas!
Swaziland ist so ganz anders als Suedafrika. Hier wird die
Regenbogengesellschaft gelebt von der die Suedafrikaner traeumen.
Hier spielt die Hauptfarber eine untergeordnete Rolle, alles micht sich, Paare,
Jugendliche, Frauen, Maenner, Inder, Weisse, Farbige und Schwarze. Und auch das
wenige Geld (Swaziland ist viel aermer als Suedafrika) scheint hier besser
verteilt. Swaziland mit seiner Einwohnerzahl von 1 Million wird noch immer von
einem Koenig und den ihm untergeordneten traditionellen Ciefs regiert. Jede Art
von Demokratisierungsbewegung wird kontrolliert oder gar unterbunden. Zur Zeit
herscht ein Versammlungsverbot und Aktivisten koennen wieder bis zu 60 Tagen
ohne Prozess ins Gefaengnis gesteckt werden... Trotzdem kaempfen die Lehrer und
Gewerkschaften und organisieren sich vom benachbarten Suedafrika aus. Morgen
soll es auch wieder einen Streik geben. Er steht im Zusammenhang mit den beiden
Chiefs, die nach Suedfarika ins Exil fluechten mussten, um einem Koenigsbruder
Platz zu machen. Diese Chiefs haben riesige Familienclans mit vielen Kindern,
die an den anstehenden Schulpruefungen nicht teilnehmen koennen. Mal sehen, was
passiert, nach der Ivory Coast und Jugoslawien!
Wir verbleiben hier noch bis das Paket mit den Ersatzteilen aus Zuerich kommt
(zur Zeit quitschen und aechtzen unsere Velos recht, es scheint einige der
Freilaufkomponenten waren nur fuer genau 20'000 km konzipiert..). Dann geht es
weiter nach Lesotho wo Paesse bis zu 2800 Meter auf uns warten. Wir wissen noch
nicht so richtig welche Route wir nehmen sollen, denn wir sind mitten in der
Regenzeit (Lesotho ist fuer Donner, Blitz, Regen, Schnee und Nebel uebelster Art
bekannt) und ein grosser Teil des Landes, speziell der Suedosten, hat kaum
Teerstrassen und viele Ueberschwemmungsgebiete. Danach geht es dann ueber die
Transkei und entlang der Garden Route nach Cape Town wo wir wohl gegen Ende Jahr
eintrudeln werden. Angefressen wie wir inzwischen (oder immer noch) von Afrika
sind, geht es aber noch nicht zurueck nach Europa. Einmal auf diesem Kontinent
haben wir das Gefuehl, Namibia und Botswana nicht auslassen zu duerfen. Da die
"kleine" Rundreise die wir durch diese Laender planen eine Distanz von ca. 8000
km abdeckt, es in dieser Region im Sommer sehr heiss wird und sie nur kaerglich
besiedelt ist, werden wir uns dafuer ein Auto organisieren. Ja, Ihr lest
richtig! Am liebsten einen alten Landrover, aber das wird wohl zu teuer.
So gegen Ende Februar ? Anfang Maerz koennt Ihr also mit unserer Rueckkehr
rechnen. Wir werden uns dann auch auf die Suche nach Wohnung und Jobs begeben
muessen. Falls Euch was ueber den Weg laeuft von dem Ihr denkt, das waere doch
genau das Richtige, behaltet es doch im Auge oder teilt es uns mit. Bis dahin
geniessen wir aber noch das Privileg und die Freiheit dieser unglaublichen
Reise. Wir koennen es manchmal selbst kaum fassen...planen im Kopf aber doch
schon unseren naechsten Trip.
Wir wuenschen Euch eine ganz tolle Zeit in Vorbereitung von Weihnachten. Wir
erleben diese Zeit schon zum zweiten Mal ohne Kaelte und Schnee und dennoch wird
auch hier mit den genau gleichen Bildern (Weihnachtsmann mit Schlitten und
Schnee etc.) geworben! Seltsam.
Viele liebe Gruesse an Euch alle!
Elgard und Klaus