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Geht es Euch nicht auch so, dass Ihr immer wieder verblüfft seid über die Weitverzweigtheit (wer kann das aussprechen, ohne einen Fehler zu machen?) europäischer Adelshäuser? Ich hatte in meiner Jugend diesen gesellschaftlichen Aspekt stets sträflich vernachlässigt, aber seit ich meinen Wohnsitz in einer Monarchie aufgeschlagen habe, fühle ich mich gehalten, zumindest die wichtigsten Entwicklungen auf dem genealogischen Sektor mit der gebührenden Aufmerksamkeit zu verfolgen. Es gibt schließlich in Schweden eine mindestens ebenso rege Fachpresse wie bei uns, deren Periodika allesamt schon von weitem daran zu erkennen sin, dass die Hintergrundfarbe auf der Titelseite gelb ist, und der Schriftzug des Titels in großer, besonders schöner Schreibschrift mit breiter Schattierung.

Da ich ein rationell denkender Mensch bin, verbinde ich das Unangenehme mit dem Unnützlichen, und widme mich den einschlägigen Studien jeweils im Wartezimmer meines Lieblingszahnarztes. Mein Schwedisch ist nicht so besonders gut, und bei Jan muss ich nie länger als fünf Minuten warten, deshalb reicht das ausliegende Heft (12. Februar 2000) ohne Weiteres aus, um meinen Wissensdurst zu befriedigen. Ich fange ohnehin jedes mal mit dem selben Artikel an.

Ich wusste bereits seit langem, dass es in England eine Queen gibt, eine Queen Mom, einen Charles, eine Diana (nicht mehr) und dann noch einen Prinz Phillip und ein Andrew, und irgendeiner von denen stellt dauernd was an. Aber wusstet Ihr zum Beispiel, dass es auch einen Prinz William gibt? Mir war das neu, aber es gibt keinen Zweifel. Das Unpaarhufer-Gebiss zeichnet ihn ganz eindeutig als einen jungen Windsor aus.

Genauso wusste ich, dass es in Schweden eine Königin Sylvia gibt, einen König, dessen Name sich keiner merken kann, weil der Name genauso langweilig ist, wie der ganze König selbst mitsamt seinem Königreich, zwei Rotzlöffel im blauen Samt-Matrosenanzug, ich schätze mal sie heißen Börn und Lasse (ohne Gewähr) und vor allem die Prinzessin Viktoria, die vor zwei Jahren an Magersucht litt, danach als Au-Pair-Mädchen nach Amerika ging (wie alle braven Schwedinnen aus besserem Hause) dort auf einer Party einen Runer küsste, aber dann trotzdem nicht heiratete (noch nicht!), und mittlerweile sogar den Kraftfahrzeugführerschein besitzt. Aber seit einiger Zeit weiss ich, es gibt auch Madelaine. Ich habe keine Ahnung, in welchem Verwandschaftsverhältnis Madelaine zu den übrigen Bernadottes steht, aber bestimmt in einem sehr engen, immerhin sind ihr in Familje och hem (Familie und Heim) ganze zwei Seiten gewidmet.

Der Stand von Februar diesen Jahres ist nun, dass die beiden drauf und dran sind, ein glückliches Paar zu werden. Vor allem Madelaine scheint sich schon sehr darauf zu freuen. Ihr Lächeln so rot wie ein Warnschild, ihre Zähne so weiss wie extrascharf geschliffene Eiskristalle (Dank sei Adobe Photoshop) und das Mienenspiel so ausdauernd, dass keiner auf die Idee käme daran zu zweifeln, dass sie ihren William nie nie nie mehr wieder hergeben wü,rde. Der wiederum schaut so aus wie einer der gute Miene zum bösen Spiel macht, er schaut nicht etwa seine Madelaine an, sondern er schaut tief in sich selbst hinein, und rechnet sich wahrscheinlich gerade aus, was das Ganze im allerschlimmsten Fall wohl für ihn bedeuten könnte. Auch er lächelt natürlich. Aber er lächelt eher tapfer. Ungefähr so wie ein Lamm, dass ins Schlachthaus geführt wird, und sich fragt, ob diesem Apparat, der da steht nicht vielleicht doch eine gewisse Skepsis angemessen ist, das aber trotzdem nicht unhöflich erscheinen will. Williams Blick ist hell, aber nicht gerade helle, während Madelaines Augen wie die eines Raubtieres stahlblau funkeln. Ihr Gesicht auf dezentes aber kräftiges Ocker gleichförmig gechminkt, während auf dem blassen Jünglingsantlitz leuchtend die Akne blüht.

Klare Sache! 1:0 für Schweden. Den haben wir gebongt.

BRÅ!BRÅ!BRÅ!BRÅ! (schwedischer Triumpf-Ruf in Angelegenheiten, die das Königshaus betreffen)