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Eigentlich sollte ich mich jetzt an dieser Stelle von Euch verabschieden. Aber leider liegen Abschiede mir so ganz und gar nicht. Nicht nur, dass sie irgendwie was Trauriges an sich haben, es ist auch nicht immer ganz leicht, einen passenden Schlusssatz zu finden. Ihr werdet es mir daher nicht übelnehmen, wenn ich, statt viele Worte zu machen, Euch mitnehme auf mein Abschieds-Abendessen im Kreise meiner Kollegen. Mir zu Ehren geht es ins Franziskaner in Gamla Stan. Lang bevor die Münchener die Goldgrube entdeckt hatten, überall auf der Welt Mini-Oktoberfests und Little Oktoberfests zu eröffnen, haben schon im Jahre des Herrn 1472 die minderen Brüder aus der selben Stadt ihr erstes Franchising project in der eben erst frisch gegründeten Mälarenmetropole eröffnet. Zwischen Pripps Blå und Guiness prangt auch das vertraute Logo mit dem stolzen Franziskanermönch, den großen Bierkrug in der Hand, so dass in meiner Brust der Abschiedsschmerz mit dem Heimweh rang.

Obwohl sehr gut zum Bier passend, habe ich kein Wiener Schnitzel gegessen (das tatsächlich Wiener Schnitzel war, sehr breit, sehr flach, sehr zart und vom Kalb, und nicht etwa ein Münchner Wiener Schnitzel, sehr klein, sehr hoch, sehr zäh und vom Schwein), sondern Röding (was sich als Lachsforelle herausstellte) mit Messmörsauce und Petersilienkartoffeln. Ich hatte leider beim Lesender karte das Wort "Messmörsauce" ü,bersehen, erst als es schon zu spät war, ging mir der Knopf auf.

Was, werdet Ihr fragen, ist Messmör, und was ist das besondere daran? Smör bedeutet Butter. Und Messmör würde ich jetzt mal mit "Bärenbutter" übersetzen. Ihr müsst Euch vorstellen, an einem schönen Freitagnachmittag wie heute, vergesst Ihr in Eurem Büro, die Bärenmarke wieder in den Kühlschrank zu stellen, bevor Ihr übers Wochenende nach Hause geht. Meinetwegen, vergesst Ihr es dann am Montag, und am Dienstag auch noch, und am Mittwoch in der Früh findet Ihr dann eine Büchse Bärenmarke nicht in sondern auf dem Kühlschrank. Wenn Ihr dann um das Ausgussloch den eingetrockneten Baatz abkratzt, und aufs Brot schmiert, dann habt Ihr so ziemlich das Gleiche wie Messmör. Wie gesagt, man kann Messmör nicht nur aufs Brot schmieren, sondern auch Soßen damit anrühren, obwohl das fast schon Verschwendung ist.

Ganz zum Schluss, es war in der dritten Beize, die wir an diesem Abend aufsuchten, erhielt ich noch ein unfreiwilliges Kompliment für meine Schwedischkenntnisse. Gleichermaßen ehrenvoll wie zweifelhaft. Und das kam so:

Das Lokal war ziemlich voll, man stand um kleine Bistrotische herum, und die Enge brachte es mit sich, dass ich immer wieder mit meinem Hintern an den der am Nachbartisch zechenden stieß. Diese Mehtode gehört keineswegs zum Arsenal meiner Anmachtechniken, sondern es handelte sich um ein reines Versehen. Wir beide entschuldigten uns also, zunächst eher beiläufig, dann immer herzlicher, und schließlich begannen wir sogar einander zuzuprosten, ich mit meinem Bier, sie mit ihrem Irisch Coffee. Dabei war mir eigentlich ü,berhaupt nicht weiter an der Bekanntschaft dieser Dame gelegen, die in verschiedener Hinsicht meinem Geschmack nicht entsprach noch mein Interesse weckte. Es blieb mir im wahrsten Sinne nichts anderes übrig, als hilflos zuzusehen, wie sich ein Gesprä,ch entspann. Ich erinnere mich nicht an alle Details, es war immerhin das sechste Bier, aber es ging ungefähr so: F (Frau): Wielange bist Du in Stockholm?
T: noch zwei Tage.
F: Du bist seit zwei Tagen in Stockholm?
T: Nein, ich bin vor drei Jahren von München nach Stockholm gekommen und bleibe noch zwei Tage.
F: Ich bin vor fünf Jahren nach Stockholm gekommen.
T: Auch von München?
F: Nein von Göteborg

Ich drehte mich wieder zu meinen eigenen Freunden, als eine zweitdiskussion zwischen meinem Kollegen M. und der Freundin von F. (ich nenne sie hiermal F2) statt fand:

F2 zu F:".... .... ....*" (diese Zweitdiskussion verlief in raschem Stockholmerisch, so dass ich kein Wort verstand, allrdings, weil ich nicht selbst angesprochen war, auch nicht darauf achtete)
M zu F2: ".... .... ....**"

So ging es eine Zeitlang, bis wir wieder rückwärtig aneinderrempelten, und wieder zum Gruße unsere Tassen hoben

F: "Dafür, dass Du erst seit zwei tagen in Stockholm bist, sprichst Du ganz gut Schwedisch"
T: "Ich bin seit...."
F: "Trotzdem sprichst Du gut Schwedisch."
T: "Du aber auch."

Nach dieser etwas unhöflichen Bemerkung widmeten wir uns beide wieder unserren Getränken. Mittlerweile setzte sich die Zweitdiskussion fort.

F2 zu F:"... ... ... ***"
M zu F2: ".... .... .... *** *"

Nach weiteren zehn Minuten stießen wir wieder zusammen...

F: "Seit drei Tagen, sagtest Du, bist Du in Schweden?"
T (rechnet sich aus, wieviele Irish Coffee sie benötigen wü,rde, bis sie es kapierte, und wieviel blaue Flecken er bis dahin am Hintern haben würde und entschließt sich zur kapitulation): "Richtig seit drei Tagen."

Danach unterhielt ich mich mit einem Kollegen noch eine Weile über irgendwas, was ich inzwischen vollkommen vergessen habe. Es hat etwas mit der Swiss-Air und der Finn-Air zu tun, aber ganz bestimmt war es nichts wichtiges. Plötzlich wird unser Vielflieger-Fachgespräch unterbrochen. Unterhaltung zwei setzt sich fort (mir selbst in diesem Stadium nur sehr nebulös bewusst werdend).

F2 (zu sich selbst):".... .... .... *** **"
M zu F2: ".... .... ....*** ***"
F2 zu M: "..... .... .... *** *** *"
M zu F2: ".... .... .... *** *** **"

Schon bald mussten wir uns verabschieden, weil unser letzter Pendeltåg ging. Auf der Rückfahrt dolmetschte mir Kollege M. auf Schwenglisch den ungefähren Inhalt dieser Unterhaltung. ich werde versuchen, hier eine übersetzung aus dem Gedä,chtnis zu liefern:

         * Der tut nur so als könnte er nicht richtig Schwedisch. Hör am besten gar nicht zu.
        ** Nein, der kann wirklich nicht Schwedisch.
      * ** Der will doch blos aufreissen! Der kann ganz normal Schwedisch. Lass Dich blos nicht verarschen.
     ** ** Nein, glaub's mir, der kann's wirklich nicht besser!
    *** ** O Gott! Der kann ja wirklich nicht Schwedisch. Meine Güte ist mir das peinlich!
  * *** ** Denk Dir nix
 ** *** ** Ach je! Das tut mir ja so Leid!!!
*** *** ** Mach Dir nix draus. Der hat eh kein Wort verstanden, von dem was Du gesagt hast.

Ist das nicht ein schöner Ausklang für einen letzten Abend in Schweden?