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Hallo, liebe Freunde, Ihr werdet gestern sicher alle meinen Eintrag sehr verrmisst haben, aber ich war leider nicht da. Dafür hab ich Euch aber etwas Schönes mitgebracht: Seid alle Live dabei bei unserem gestrigen

3. Dezember 1999

Klausurtreffen

Es war einfach an der Zeit, dass wir alle (etwa zwanzig) von meiner Arbeitsgruppe uns mal für einen Tag an einen ruhigen ort zurückzogen, und jeder seine bisherige Arbeit, sowie seine Pläne für die nähere Zukunft kurz vorstellte und den Kolleginnen und Kollegen zur Diskussion stellte. Also mieteten wir fü,r diesen Tag eine schöne bewirtschaftete Villa, die für solche Zwecke eingerichtet ist und trafen alle (auch ich) pünktlich um neun Uhr ein.

Weil das eine reichlich unchristliche Zeit ist, gab es zuerst einmal für alle Frühstück. So war es jedenfalls vorgesehen. Zu allerlallererst aber durften wir gründlich das Gebäde besichtigen - das Frühstück war noch nicht fertig. Nach Kaffee und Brot und Wurst und Marmelade ging es dann ans Arbeiten (eine halbe Stunde später als vorgesehen). Von meinem platz aus hatte ich einen wunderschö,nen Blick aus dem Fenster auf den Ostseearm, der sich quer durch Stockholm zieht, und auf all die vorbeifahrenden Schiffe, deshalb habe ich nicht allzuviel von den Vorträgen mitgekriegt. Aber es war drinnen schön warm, und draussen schön kalt. Überall brannten Kerzen, sogar auf dem Klo, und ich fühlte mich wie bei einer besonders gelungenen Adventsfeier, bei der man Nüsseknackend während des allgemeinen Gemurmels seinen Gedanken und Träumereien nachhängt.

Pünktlich um zwölf gings dann zum Mittagessen (den meisten Schweden knurrt um diese Zeit schon seit einer halben Stunde der Magen). Mittagessen war ein sogenanntes Julbord, ein riesiges kaltes Buffet, mit typisch schwedischen, teilweise recht deftig kalten Gerichten. Das wichtigste an einem Julbord ist der Hering, auf verschiedene Weise auf-, an- und eingemacht, ausserdem Wurst und Schinken, Käse, Fischterrinen und Gemüse. Als Kohlenhydrat Kartoffeln und Brot. Das ist nicht ganz richtig, es heist nämlich in diesem Fall nicht Wurst (Korv) sondern Julkorv (Weihnachtswurst), so wie es auch Weihnachtsschinken, Weihnachtskäse und Weihnachtsfisch heist. Dazu trinkt man Weihnachtsbier und Weihnachtsmost. Bevor wir mit dem Essen anfangen durften, liess es sich der Wirt jedoch nicht nehmen, uns ein wenig über die Geschichte des Hauses zu erzählen, wer hier schon alles gewohnt hat, der schwedische Generalvertreter von Mercedes Benz, ein Grosshändler für Chrysler, der aber leider 1934 sein ganzes Vermögen verloren hatte, weil.... Mein armer Chef rutschte immer unruhiger auf seinem Stuhl hin und her, schließlich war für die Mittagspause nur eine dreiviertel Stunde eingeplant. Aber mein Chef ist eben ein Mensch, der nicht gerne andere unterbricht, und immerhin bekamen wir einen kleinen Einblick in den Who is Who bei den Schiffsmotoren der vergangenen Jahrhundertwende.

Der Wirt vergas aber auch nicht, darauf hinzuweisen, dass zu einem richtigen Julbord reichlich Bier und Schnaps gehört, und weil man in Schweden solche Aufforderungen nicht allzu oft hö,rt, griffen wir natürlich zu. (Heute versuchte mein Chef, zu rekonstruieren, wer wieviel Bier und Schnaps getrunken hat, weil unser Arbeitgeber nur für Essen und alkoholfreie Getränke aufkommt). Bald schon waren wir am Singen, und weil mein Chef kein Spielverderber sein möchte, sang er nach Kräften mit. Als wir uns nach eindreiviertel Stunden wieder in unser Konferenzzimmer begaben, war die Stimmung schon ziemlich ausgelassen, ich erinnere mich nur noch schemenhaft an meinen eigenen Beitrag. Ich glaube, mir sind ein paar kleine Fehlerlein unterlaufen, aber dafü,r habe ich den Eindruck, meine Projekte so überzeugend vertreten zu haben, wie sonst selten.

Als dann alle fertig waren, war es höchste Zeit. Der Termin, für den wir die Sauna reserviert hatten, war schon fast abgelaufen. Ein Gruppenfoto musste natürlich schon noch sein. Das Gelächter, mit dem mein Vorschlag, das Gruppenfoto in der Sauna zu machen, quittiert wurde, ließ mir ratsam scheinen, dem Eindruck, es handle sich um einen Scherz, nicht entgegenzutreten. Schade, ich hatte gehofft, mit diesem Foto das Interesse an meinem Tagebuch erheblich zu steigern.

Jetzt hab ich für heute erst mal genug geschrieben. Wir haben nach der Sauna noch viel gegessen und noch viel getrunken, und abgesehen von den alkoholischen Getränken hat sich mein Arbeitgeber auch nicht lumpen lassen. Ich geh jetzt erst mal in die Fall, den morgen muss ich schon in aller Früh zu Jan.