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Wieder mal ist eine eintragslose Woche an mir vorbeigezogen. Einmal, ich glaub es war am Mittwoch, hab ich mich tatsächlich hingesetzt und was geschrieben. Aber ich bin nicht ganz fertig geworden, und am nächsten Tag fand ich es so unmöglich, was ich geschrieben habe, dass ich es nicht über mich brachte, es zu posten.

Aber Ihr wisst es ja, Tumba macht müde. Regenwetter macht auch müde.

Was macht man an einem verregneten Sommersonntag in Tumba? Man liest das ganze Svenska Dagbladet. Unter der Woche lesen die Schweden meistens Dagens Nyheter, wo die Meldungen viel objektiver, kürzer, sachlicher sind. Am Sonntag, wenn man viel Zeit hat, dann kann man Svenska Dagbladet lesen, ein ganzes Füllhorn von herrlich langweiligen Reportagen zum Beispiel eine ganze Seite über eine Grundschullehrerin in China, ihren Vater und ihre Großmutter. Mindestens so ausgiebig wie die "Zeit".

Deshalb ist es auch sonntags immer ganz still im Pendeltåg. Höchstens mal Geraschel beim Umblättern.

Nur hinter mir ein Vater mit seinem dreijährigen Jungen: "Setz dich jetzt dahin" - "Nein, ich setz mich DA hin." - "Gut, dann setzt du dich eben Da hin." - "Nein, ich setz mich aber nicht DA hin, sondern DA hin."

Zwei Haltestellen weiter steigt eine fünfundzwanzigjährige Frau mit Kinderwagen ein. Zwischen ihr und dem Vater des Jungen beginnt ein zeittotschlagendes Gespräch: "Schöne Jacke" - "Sonderangebot."

Nach noch mal zwei Haltestellen steigt die Frau mit dem Kinderwagen wieder aus. Vater und Sohn und zehn Zeitungsraschler sind wieder unter sich.

"Wer war denn das?" - "Eine Kollegin. Sie arbeitet im gleichen Büro wie ich" - "Wieviele Mädchen hast du denn?" (Zeitungsraschelgeräusch erstirbt abrupt) "Sie arbeitet nur im selben Büro wie ich." - "Mama hat aber gesagt, du hast..." (Atemgeräusche ersterben ebenfalls abrupt) - "Möchtest du ein Eis?" (Zeitungsgeraschel lebt wieder auf)

17. Juli 2000

Bin gewohnt das irre Gehen

(Wilhelm Müller: Die Winterreise)

In Ermangelung anderer sportlicher Tätigkeit und wegen des sehr ausgedünnten Zug-Taktes entschließe ich mich manchmal, abends von meinem Arbeitsplatz nach Hause zu gehen. Doppelt so lange zu gehen empfinde ich nicht als halb so unangenehm wie halb so lang zu warten. Um das ganze auch wirklich sportlich interessant zu machen, schau ich immer auf die Uhr wie lang ich brauche. Normalerweise sind das für die acht Kilometer bis Tumba immer ganz genau 66 Minuten. Nicht eine mehr, nicht eine weniger.

Das ärgerte mich. Nicht, dass ich so lange brauch, sondern, dass ich immer ganz genau gleich lang brauch. Ist denn Tumba so furchtbar eintönig, dass es nicht einmal in der Geschwindigkeit, in der man sich ihm nähert, ein bischen Abwechslung geben könnte?

Am Freitag setzte ich alles daran. Ich dachte: Es muss doch auch möglich sein, in einer kürzeren Zeit die Strecke zurückzulegen. Ich marschierte also wie ein Wahnsinniger im Ferkelgalopp. Und ich schaffte es in sensationellen sechzig Minuten! Danach war ich dann allerdings auch fix und fertig.