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Es ist mittlerweile zu meinem festen Tagesrhythmus geworden, abends um halb zwei bei der ersten Episode von Mission Impossible abzuspülen und von zwei bis halb drei, wenn die Sonne schon über dem Horizont steht, bei der zweiten Episode einzuschlafen. Zwei solcher Episoden kommen jeden Abend auf SVT3 (oder war es ein anderer Kanal, ich verwechsle das manchmal) dazwischen ein kurzer Werbeblock. Das ist praktisch. Jeder weiss, dass die Werbeblöcke zwischen den Sendungen nützlich sind, weil sie die Blasentätigkeit ganzer Völker in wunderbarer Weise synchronisieren.

Gestern erlaubte sich das schwedische Fernsehen jedoch, die Dauer der Werbung auf fünfzehn Minuten auszudehnen. Das ist unverantwortlich. Niemand kann an einem Abend so viel Bier trinken, dass er danach fünfzehn Minuten lang aufs Klo gehen kann. Werden wir Schweden nun zu einem Volk von Bettnässern?

Und wozu das Ganze? Eine Seuche zieht vom Kontinent herauf und steht nun vor den Toren der Ostsee. Denn diese ganze Viertelstunde lang kam nur Werbung für ein einziges Ereignis: Die schwedische Version der Serie "Big Brother". Ein bischen Zeit haben wir noch, denn die hundert Tage beginnen erst im Herbst. Aber schon jetzt werden Kandidaten gesucht, die bereit sind, sich als Akteure zur Verfügung zu stellen. Die Akteure sollen aus verschiedenen Städten kommen, und die Kandidaten je nach Stadt eine verschiedene Telefonnummer wählen. Aus Falun, aus Jonköping, aus Huddigsvall,... Leute vom Land scheinen nicht erwünscht zu sein. Dass auch ein Stockholmer und ein Malmöer zusammen mit eingesperrt werden sollen, verspricht jedenfalls Unterhaltung.

Jetzt wissen wir natürlich alle, dass man in dieser Serie den Kandidaten beim Duschen zusehen kann. Das ist - warum sollen wir nicht dazu stehen? - auf jeden Fall das einzig Interessante daran. Ich würde es mir sicher nicht entgehen lassen. Aber wenn ich für eine Minute Popo unter der Dusche vorher eine Stunde lang zuschaun muss, wie Biggi, Olaf oder Veronika Feldbusch für zwanzig Mann gelbe Rüben schälen, dann finde ich das sehr hart verdient. Wenn ich bei Big Brother was zu sagen hätte, würde ich die ganze Meute gleich für hundert Tage in die Dusche sperren.

Ihr in Deutschland habt natürlich jetzt ganz andere Sorgen als Leuten beim Duschen zuzuschaun oder dämliche Tagebucheinträge zu lesen. Ihr werdet sicher schon glühen vor Lampenfieber, wo doch nächste Woche in Hamburg die berühmte Weltausstellung eröffnet wird. Ich verfolge das Geschehen mit Spannung. Werdet Ihr rechtzeitig fertig oder nicht? Natürlich, Ihr werdet, ich weiss es doch. gestern früh habe ich in Euro News gesehen, dass bereits die Trottoirs vor den Pavillons asphaltiert werden.

Obwohl die Schweden eigentlich ein dankbares Publikum für solche Ereignisse abgeben müssten, hat eine kürzlich von mir durchgeführte Blitzumfrage unter drei Kollegen in der Kantine ergeben, dass mit allzuviel Besuch aus Schweden wohl nicht zu rechnen sei. Dabei könnten die Schweden doch wirklich auf der EXPO was erleben!

Bei meinem letzten Auslandsflug, der schon wieder geraume Zeit zurückliegt, habe ich nämlich in der Wartesaalpostille im Flughafen Årlanda eine wunderschöne Titelgeschichte über die EXPO gelesen. Zwölf Seiten lang. Eigentlich wollte ich die Geschichte wegen ihrer Tagebuch-Tauglichkeit rausreissen. Aber da sie fast die Hälfte des Heftes ausgemacht hätte, habe ich es dann bleiben lassen. Ich kann ja nicht ein nur noch halbdickes Heft zurücklegen. Ich hätte auch das ganze Heft mitnehmen können. Sogar mitnehmen dürfen. Aber das war mir dann doch zu blöd. Ein Reklameheft der Scandinavian Airlines mit zunehmen. Wer bin ich denn! Also das seid Ihr mir auch wieder nicht wert.

Aber ich kann mich noch ganz gut erinnern. Geschrieben war der ganze lange Artikel von einer in Deutschland lebenden Schwedin, die mit irgendeinem deutschen Manager verheiratet ist. So abgrundtief müllig dieses Geseire auch war - es gab mir schon zu denken, denn schließlich tu ich ja auch nichts anderes. Ich dachte schon daran, mich eventuell zu bessern, aber daraus ist ja dann nicht viel geworden, nicht wahr? So viel in eigener Sache.

Ich will natürlich hier nichts über die EXPO schreiben, es gibt Millionen berufenere EXPO-Kommentatoren als mich oder diese komische Ulknudel. Aber interessant ist das, was sie über uns Deutsche geschrieben hat. In einem auf schwedisch geschriebenen Artikel in einer Werbebroschüre eines schwedischen Luftfahrtkonzerns.

1. Juni 2000

For Swedish Eyes Only

Die erste Seite handelt bis fast ganz unten lediglich davon, dass es im Hotel Soundso eine gemischte Sauna gibt. Für die Schweden wird dann ausführlich beschrieben, was eine gemischte Sauna ist. Ohne allzusehr ins Detail zu gehen, füllt dieser Absatz doch immerhin fast die Hälfte der Seite. Dann kommt die Sauna-Bar. "Nur mit einem Bademantel bekleidet" trinken die Deutschen nach der Sauna in der gemischten Bar ihr Bier. Da sieht man mal wie groß der Kulturelle Unterschied ist. Während unseres Klausurtreffens hatten wir auch Bier in der Sauna getrunken, sogar ohne Bademantel, ohne alles, richtig in der Sauna innen drin, aber eben - ungemischt. Darüber kommt dann noch ein unmoralisches Foto eines gemischten Vierers von nur mit (jeweils) einem Bademantel bekleideten Biertrinkerinnen und Biertrinkern.

Nachdem die gemischten Saunas in Schweden so viel Aufsehen erregen, rückte ich von meinem Bedauern darüber, dass es so was in diesem Land nicht gebe, ab. Nur eine Minderheit der Saunagäste geht in die gemischte Sauna in der Absicht, Aufsehen zu erregen.

Irgendwann hatte sich auch diese Dame lange genug über die gemischte Sauna gewundert, und nach einer weniger interessanten Überleitung, in der geputzte Fachwerkhäser vorkommen, und ähnliches Reiseführergeschwätz, gelangen wir doch noch auf die EXPO, wobei mir vor allem dieser Satz auf immer im Gedächtnis hängenbleiben wird: "Wenn man in Deutschland auf einer Messe ernsthaft beraten werdn will, empfehle ich, zumindest saubere und vollständige (!!!) Kleidung zu tragen." Wahrscheinlich ist die gute Frau bei der letzten EXPO von der gemischten Sauna direkt in die Ausstellungshallen gelaufen, und hat sich dann gewundert, dass die braven Messefritzen nicht so recht wussten, was sie mit ihr anfangen sollten.

In diesem Zusammenhang lesen wir noch, dass man wirkliche Geschäfte nur mit Anzug und Krawatte machen kann (das kann ich nicht beurteilen. Meine geschäftlichen Aktivitäten übersteigen nur selten den Rahmen des Taschengeldes). Ferner, dass man sich im Geschäftsleben mit Nachnamen und mit "Sie" anredet, was natürlich stimmt und einiges mehr, was vielleicht den Geschäftsmenschen interssieren wird. Lustig noch der Hinweis, dass Verträge grundsätzlich nur schriftlich und mit Unterschrift gültig sind, und dass ein Handschlag auf keinen Fall reiche.

Nach einem anstrengenden Messetag geht der Deutsche natürlich in den "Pub" (der auf schwedisch "Puub") ausgesprochen wird. Dort braucht man jetzt keine Krawatte mehr zu tragen. Auch Pullover ist O.K und, wer hätte das gedacht, man darf sich ganz zwanglos unterhalten. Im Pub läuft die ganze Zeit Blasmusik. Na ja.