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Am Wegrand lag ein räudiger Hund
der hatte keinen Zahn im Mund
nicht einen Zahn im Mund.
Und fand er einen Knochen auch
er bracht' ihn nicht in seinen Bauch
ihn nicht in seinen Bauch.

aus Frank Wedekind: Das arme Kind

Meinem Schneidezahn geht es heute sehr viel besser, ich kann schon fast wieder normal essen. Es wurde auch langsma Zeit, ich habe schon Farb-Sehstörungen bekommen.

Viele Leute denken, es muss wahnsinnig toll sein, wenn man im Sommer den ganzen Tag und fast die ganze Nacht die Sonne scheinen hat. Es stimmt auch, es hat irgendwie etwas. Aber es kann manchmal trotzdem ganz schön nerven. Diese ewig Sonnenscheinerei im Norden kommt ja daher, dass hier die Sonne nicht ihre Bahn in einem hohen Kreis über den Scheitel des Firmaments zieht, sondern eher tangential, fast parallel zum Horizont kriecht. Das ist nicht immer lustig. Es geht einem wie einer Kopflaus, die auf der Glatze eines Heiligen mit Heiligenschein wohnt. Man muss die ganze Zeit direkt ins Licht schaun. Nur wenige Stunden am Mittag steht die Sonne etwas höher, so dass das Licht eine eher weisse Farbe hat. Die meiste Zeit ist es knallig gelb, so wie an einem Spätnachmittag, noch nicht roter Sonnenuntergang, aber auch nicht mehr dieses klare kalte blaustichige Weiß von dem man sich nach dem Baden im Baggersee die Wassertropfen wegtrocknen lassen möchte.

Dieses Licht könnte einen verrückt machen. Es blendet, aber es wirft keine Schatten, es reicht nicht zum Lesen, so dass man doch eine Lampe zusätzlich einschalten, und trotzdem muss man sich mit Vorhängen davor schützen, weil es immer in den Augen sticht. Ausserdem kann man dabei nicht schlafen. Ich gäbe etwas dafür, wenn es jetzt endlich wieder November wäre.

Wer ein Frühaufsteher ist, so wie ich, und manchmal schon vor neun Uhr am Bahnsteig auf seinen Pendeltåg wartet, der wird dieser Tage manchmal mit einem ganz besonderen Schauspiel belohnt. Da sich nämlich bei der Firma Citypendeln die Organisationsprobleme häufen, kann es schon mal vorkommen, dass der eine oder andere Pendeltåg nicht ganz richig zusammengestellt ist.

Heute früh zum Beispiel fuhr anstatt des erwarteten stahlblauen Massenverkehrsmittels folgendes interessante Gespann ein:

Ganz vorne eine kleine, aber robust aussehende rotlackierte Elektrolok. Modell: Schlachtroß im Regionalverkehr.
Dahinter ein flacher offener Güterwaggon, zu einem Drittel gefüllt mit Erde, einem Dutzend Schaufeln und Spitzhacken, nebst vier rauchenden Bauarbeitern mit gelbem Helm
Danach ein Waggon des Superschnellzugs X2000 (der in etwa unserem ICE entspricht, nur dass nicht so ein Gedöns darum gemacht wird) ohne Fahrgäste drin.
Den Abschluss bildete dann ein geschlossener Güterwaggon mit großen Schiebtüren, wie wir ihn aus jedem Eisenbahnräuber-Western kennen.

Leider war es nicht erlaubt, in diesen Zug einzusteigen.

Ich musste an diese Episode im "Braven Soldaten Schwejk" denken, wo der Schwejk einem Feldwebel erklärt, wie er sich die Nummer des Waggons merken könnte, der beim nächsten Transport unbedingt angehängt werden müsse. Natürlich haben am Ende sowohl der Schwejk als auch sein Vorgesetzter vergessen, welche Nummer dieser Waggon hatte, und irgendwoanders wird sich vielleicht jemand gewundert haben, dass zum Beispiel statt Maschinengewehren Autoreifen an die Front transportiert wurden. Aber es war ja auch so wurscht - sooooo wurscht! Damals wurde in Österreich der Spruch geprägt "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst."

In einer ähnlichen Situation befindet sich zur Zeit der öffentliche Nahverkehr in Stockholm. Es spielt einfach keine Rolle mehr.