Vor fünftausend Jahren feierten die Juden ihren Auszug aus Ägypten mit ungesäuertem Brot. Ich hielt es daher für angebracht, meinen Einzug in Tumba mit ungezuckertem Brot zu begehen, was in Schweden nicht ganz leicht ist. Aber ich fand im Tumbaner Konsum ein Paket mit ungezuckertem norwegischem Vollkornbrot, bei dem das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen war. Zusätzlich läutete ich das Ende der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Österreich ein, in dem ich eine Büchse Zipfer-Bier (Sonderangebot) erstand.
Mit dem Fahrrad zu fahren hat den Vorteil, dass ich zwischendurch zum Essen nach Hause kann, und nicht auf den Kantinenfras angewiesen bin. Es ist zwar manchmal ein bischen weit, immerhin brauch ich ungefähr eine halbe Stunde, aber dafür komme ich am Tullinger See vorbei, und wenn es ein ganz klein bischen wärmer wäre, könnte ich abends auf dem Heimweg mal schnell ins Wasser hüpfen. Heute wär es sogar fast das richtige Wetter dafür. Zwar nicht sehr warm, aber sehr schwül.
Morgen ist in Schweden Mittsomer (Midsommar), der wichtigste Nationalfeiertag. Ein uraltes germanisches Kulturerbe, vor dessen Bedeutung Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Christi Himmelfahrt hoffnungslos verblassen. Um ganz genau zu sein, ist morgen Midsommarafton, also der Mittsommer-Vortag. Mittsommer selbst ist theoretisch nur genau um Mitternacht (so ähnlich wie Sylvester). Eigentlich müssten die Schweden an diesem Tag sich alle an den Händen fassen und um eine Art Maibaum mit drei Schlaufen tanzen. Meistens ist es aber so, dass sich die Familien mit einer Picknickdecke in geringer Entfernung des Junibaums (so will ich ihn mal nennen) niederlassen,

ihre Kinder zum Tanzen schicken, und selbst ihre Bierdosen aufmachen und den Kasettenrekorder auf volle Lautstärke stellen, während sich auf der anderen Seite des Junibaums auf einem Podest eine Volksmusikband vergeblich abmüht, mit altschwedischen Weisen dagegen anzuspielen. Die Atmosphäre ist ungefähr so wie bei einem Open-Air Konzert, wenn die Techniker damit beschäftigt sind, die Lautsprecheranlage einzustellen, und wenn dieses Einstellen den ganzen Tag dauert. Auch in meiner neuen Heimatgemeinde Tumba gibt es einen solchen Sammelplatz für die Mittsommernachtsfeierer. Ich habe das einmal vor zwei Jahren erlebt, müsste das nicht unbedingt noch mal mitmachen (natürlich gibt es auch die privaten Mittsommerfeiern, irgendwo på landet in einem kleinen Häuschen weit weg (das heisst natürlich nicht in, sondern vor dem Häuschen). Was ich selbst morgen tun werde, weiss ich jetzt noch nicht ganz genau.
Als ich mich heute früh im Pendeltåg hingesetzt habe, haben sich doch tatsächlich zwei Mädchen im Teenie-Alter neben mich gesetzt. Das Interessante aber war, dass die eine von ihnen, kaum dass der Zug sich in Bewegung setzte, ihren Schuh auszog, ihren Fuß auf den gegenüberliegenden Sitz stellte, und wie wild an ihrem Fuß zu kratzen und zu reiben anfing. Die Ferse, die Sohle, den Spann, die Fessel, die Zehen. Ich dachte schon daran, meine Hilfe anzubieten, da kam mir in den Sinn, dass es sich möglicherweise um irgendeine gefürchtete Tumbaner Beißmilbe handeln könnte, und ich rückte lieber ein paar Zentimeter von ihr ab.