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Wer zu den privilegierten Menschen gehört, die im Fernsehen SVT3 empfangen können, und wer gleichzeitig klug genug ist, um Sonntag abends bei einer ganz besonders langweiligen Folge von Mission Impossible einzuschlafen, der wird, wenn es in Morpheus' Zeitplan passt, am Montag um acht Uhr in der Früh damit belohnt, dass er mit der Zeichentrickfilmserie Batman aufgeweckt wird. Es war ein angenehmes Erwachen, nicht zu früh und nicht zu spät, und da die Mission Impossible-Episode irgendwas mit einer Wasserstoffbombe in der Kanalisation von New York zu tun hatte, und da die Batman-Geschichte ebenfalls einen wilden Showdown in irgendeinem Abwasserkanal zum Inhalt hatte, konnte ich ohne allzugroße Irritationen aus meiner Traumwelt direkt in die reale Fernseh-Wachwelt hinüberdämmern. Es war das erste Mal, dass ich Batman länger als zwanzig Sekunden am Stück gesehen habe, und ich muss meine negative Meinung revidieren. Natürlich ist der Trickfilm nicht gerade liebevoll und sorgfältig gezeichnet und die Bewegungen sind schon etwas arg eckig (ich habe den Verdacht, die zeichnen weniger als vierundzwanzig Bilder pro Sekunde), andererseits ist gerade dieser Minimalismus teilweise gar nicht so ganz reizlos. Ich wusste zuvor gar nicht, dass Batman so eine Pflaume ist. Der lässt sich ja die ganze Zeit irgendwas über den Schädel ziehen, oder sich in einen Abgrund runterschmeissen.

Ich habe übrigens den Eindruck, dass sich das Buchstabensalatphänomen bei Tripod inzwischen stabilisiert hat. Es ist zwar nicht besser geworden, aber schlimmer auch nicht. Ich werde mich in nächster Zeit daran machen, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Da mich diese Tätigkeit intellektuell unter-, geduldsmäßig jedoch überfordert, werde ich die Ausbesserungsaktivitäten auf mehrere Tage verteilen.

29. Mai 2000

Gestern früh war mal wieder Einkaufstag. Ich bin ja eigentlich ein Gern-Einkäufer von Natur aus, nur - wenn es nichts Gescheites gibt, dann macht es mir eben auch keinen Spaß

Was es in Schweden immer gibt, sind Dammsugare (Staubsauger). Es handelt sich um vier Zentimeter lange Walzen aus grüngefärbtem Marzipan mit einem Durchmesser von ungefähr zwei Zentimeter, die an beiden Enden mit einem Quader aus schwarzer Schokoladenglasur abgeschlossen sind. In der Tat, wenn man sich noch einen Schlauch mit Zickzack-Profil dazudenkt, könnte man sich vage an den guten alten "Kobold" von Vorwerk erinnert fühlen. Allerdings heissen sie nicht wegen ihres Aussehens Staubsauger, sondern weil früher die Konditoren die Angewohnheit hatten, die Reste, die ihnen beim Herstellen verschiedenen Backwerks geblieben sind, als Füllung in die Mitte zu quetschen. Heute gibt es natürlich keine Konditoren mehr in Schweden sondern nur noch Kuchenfabriken und in den Konditoreien bestenfalls noch Öfen zum Fertiggaren vorgebackener Produkte. Und überhaupt heisst es nicht Dammsugare ("haben wir nicht"), sondern Punschrulla (Punschrolle), wie jeder Konditoreiprodukteverkäufer stur behauptet, aber der Volksmund ist eben nicht totzukriegen. Von mehr als zwei Dammsugare wird mir immer schlecht, aber wenn man vier kauft sind sie wesentlich billiger.

Negativ zu vermerken ist, dass in fast allen Supermärkten, die Vielfalt der Biersorten in letzter Zeit ganz erheblich zurückgegangen ist (eine löbliche Ausnahme ist natülich wieder mal Hemköp, wo ich mittlerweile fast schon so was wie ein Möbelstück bin). Alle Sorten, die ich unter der Rubrik akzeptabel eingestuft hätte, werden nach und nach aus dem Sortiment genommen. Zuerst Darts, dann die schwedische Versionen von Löwenbräu (ich muss alle Löwenbräu-Hasser um Verständnis bitten: alles ist relativ), und jetzt auch noch 1686 von Pripps (oder hieß es vielleicht 1828?). Das einzige Bier, das zuverlässig im Sortiment bleibt und gleichzeitig gerade noch oberhalb der Lieber-Buttermilch-Grenze eingestuft werden kann, ist Pripps Blå (ich möchte in diesem Zusammenhang auf eine Literaturstelle hinweisen, in der der berühmte Schriftsteller Max Goldt die Sorte Pripps Blå einer positiveren Bewertung unterzieht, als ich es täte, und gleichzeitig das gesamte Werk zur Lektüre empfehlen.

Aus der Fernsehwerbung wissen wir, dass der Mensch auch etwas Warmes braucht (das hat jetzt nichts mehr mit Max Goldt zu tun), und da lachte mich der große plexigläserne Wärmehaltekasten mit den gegrillten Hühnerschenkeln an. Ich wohne jetzt lange genug in Schweden, um zu wissen, dass man hier für hoffnungslos minderbemittelt gehalten wird, wenn man nicht von zweihundert mehr oder weniger gleich aussehenden Hühnerschenkeln nur einen ganz bestimmten und auf gar keinen Fall einen anderen haben will. Ich wartete also mit meinem Nummerlapp, bis ich an die Reihe kam, und sagte dann der Hühnerschenkelbraterin, ich hätte gerne diesen Schenkel da. Sie kroch auch brav zu zwei Dritteln in den Kasten hinein, fast so wie die böse Hexe bei Hänsel und Gretel, und ich gab derwei Anweisungen "nein weiter vorne - zurück! Ja, genau den da drunter...Nein!" Dabei lernte ich mal wieder, dass man die Schweden nicht unterschätzen sollte. Die Turnübungen der armen Verkäuferin liessen nämlich einen grandiosen Einblick in ihr Decolletee zu. Ja, man muss es nur richtig machen, dann bekommt man auch hier was für sein Geld.

Übrigens, wenn unter den Lesern ein Ornithologe sein sollte, wäre ich dankbar für eine mögliche Erklärung des Phänomens, dass unter diesen vielen Hühnerschenkeln nur rechte gewesen sind, und kein einziger linker.