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Zuerst einmal ein ganz ganz herzliches Dankeschön an Alyssa, die mir erklärt hat, wie ich das Problem mit dem Buchstabensalat lösen kann, und die mir auch sonst noch in pregnanter, aber leicht verständlicher Weise so einiges klargemacht hat. Ich komme mir so vor, als hätte ich gerade zum ersten Mal gemerkt, dass ein Computer nicht direkt genau das gleiche ist wie ein Xylofon.

Es gibt Dinge, die in Schweden schlecht und teuer sind, zum Beispiel Getränke und Lebensmittel. Es gibt andere Dinge, die schlecht sind, aber gar nix kosten, zum Beispiel Alleskleber, der zwar alles nicht klebt, aber den man dafür in der gut ausgestatteten (oder heist es ausgestatetten?) und unbewachten Schreibwarenausgabe an seinem Arbeitsplatz heimlich umsonst mitnehmen kann. Dann gibt es noch Dinge, die in Schweden sehr billig sind, aber dafür sehr gut kleben.

Als ich, es ist schon eine Zeit lang her, einen Kochtopf brauchte, dachte ich, es sei besonders schlau, ihn in Deutschland zu kaufen, denn da sei er sicher viel, viel billiger als in Schweden. Ich opferte also einen Nachmittag und ging in die Fußgängerzone und dort in die Haushaltswarenabteilung jedes - aber auch wirklich jedes - Kaufhauses, und fand dort die Kochtöpfe in einem Kaufhaus billiger als im anderen. Meistens sogar noch runtergesetzt, zum Beispiel von 239 Mark auf nur noch 119 Mark, das ist ja eigentlich fast schon geschenkt!

Als ich frustriert wieder in Stockholm ankam - ohne Kochtopf natürlich - dachte ich: Jetzt schaust Du einfach mal (nur so zum Spaß) was die Kochtöpfe denn hier wohl so kosten. Einfach, damit man mal wieder was zum Lachen hat.

Ich geh also in den Åhlens, in die Haushaltswarenabteilung, und was seh ich da?

Einen Halbliter-Topf für 79:90 Kronen (etwa 20 Mark). Einen Spaghettitopf (c:a drei Liter) für 129:90 Kronen (etwa dreissig Mark). Es hätte auch noch andere Formate gegeben.

Anzumerken seien hier zwei nebensächliche Dinge: (1.) der Doppelpunkt in Schweden entspricht dem deutschen Abkürzungspunkt. "c:a" schaut natürlich ein bischen albern aus. In der Tat wird aber "Circ" mit "c:" abgekürzt und das "a" dahinter ausgeschrieben, doof aber logisch. (2.) Die 79:90 Kronen-Seuche ist in Schweden noch lächerlicher als in Deutschland, weil es nämlich Zehn-Öre-Münzen in Schweden schon lange überhaupt nicht mehr gibt (im Gegensatz zu Dänemark). Die Verkäuferinnen an der Kasse runden die 79:90 Kronen auch ganz ungeniert zu 80 Kronen auf.

Zurück zu unserem Topf. Zu MEINEM Topf, denn es ist keine Frage, dass ich dieses preiswerte Stück sofort erstehen musste. Es handelte sich zwar vom Material her um relativ dünnwandiges Leichtmetall, wenn auch sicher kein Aluminium, aber immerhin hat der Boden diese eingekratzten Ringel, die die Hausfrau an Kochtöpfen so zu schätzen weiss. Und wer noch immer nicht glaubt, dass ich hier ein Qualitätsprodukt erworben habe, der schaue einfach nur den Topf genau an: Fast die Hälfte der Seitenfläche ist von einem riesigen Aufkleber bedeckt. Von dieser Aufkleberfläche wiederum werden fast drei Viertel von einer schwedischen Fahne eingenommen: gelbes Kreuz auf blauem Grund. Und darunter steht in großer Schrift:

DE SVENSKA KÄRL

(das schwedische Gefäß)

Ich weiss nicht, womit dieses Riesenetikett aufgeklebt worden ist, aber hätte ich es von Anfang an gewusst, hätte ich gar nicht erst den Versuch gemacht, es abzuziehen. Eine halbe Ewigkeit hab ich jetzt schon den Svenska Kärl und schon hundert mal hab ich ihn abgespült und mit der Spülbürste abgeschrubbt und jedesmal gehen ein paar Papier- und Kleberwuutzeln ab, aber immer noch ist das Etikett zu mehr als der Hälfte dran. Man könnte wahnsinnig werden.

30. Mai 2000

Theologinnen gegen Malmö

Ich habe schon öfter aus dem Stockholmer U-Bahnfahrer-Fanzine "metro" zitiert, und jeder weiss inzwischen, dass es dort nicht nur drei Tage alte Agenturmeldungen gibt, sondern auch interessante Berichte über die Universität von Kristinestad und den Flugplatz von Motala, aussagekräftige Statistiken über beispielsweise (gestern) die bei beliebtesten Farben von Neuwagen bei Männern (grau) und Frauen (rot) und vor allem jeden Tag eine unsäglich Kolumne auf Seite sechs. Besinnungsaufsätzlein wie etwa der, dass auch AIDS-Kranke der Hilfe bedürfen, oder dass der Krieg in Äthiopien nicht gut sei, oder dass Männer ihre Frauen nicht schlagen sollten, finden hier ein papierenes zu Hause, natürlich auch die Verlautbarungen des Dschango-Kriminalkommisars von Stockholm. Die allermeisten der Autoren, wenn sie nicht gerade Polizeipräsidenten sind, verzieren ihren Namen mit der Berufsbezeichnung "Free-Lance Journalist", was wohl heissen soll, wenn gerade das Ergebnis ihres Sinnens in der Metro-Kolumne gdruckt wird, dann sind sie an diesem Tage Journalisten.

Aber ich sollte mich nicht beschweren, schließlich kostet metro ja nichts und es zu lesen zwingt mich auch niemand.

Der gestrige Beitrag allerdings kam weder von einem Journalisten, noch von einem tapferen Kämpfer gegen die Unterwelt, sondern von einer Dame, die sich dem Streben nach Höherem, um nicht zu sagen Allerhöchstem verschrieben hat, nämlich einer Theologin. Ich nehme mir die Freiheit heraus, ihr Konterfei zu Kopieren und hier zu Pasten

Ich hatte es mir schon mit zwei Frauen verdorben, seit ich den Begriff "Theologinnenlächeln" erfunden habe. Ich werde es mir an diesem Tag mit noch mehr Frauen verderben, aber es hilft nichts. Theologen lächeln entweder sanft wie ein demütiges Lamm oder pervers wie ein fieser alter Kardinal. Theologinnen aber lächeln immer sehr lebensklug und sparsam.

Jedenfalls, diese Theologin äussert die Ansicht, dass die allgemeine Begeisterung über die in Kürze zu eröffnende Øresundsbro zwischen Malmö und Kopenhagen nicht gerechtfertigt sei, und zwar nicht etwa aus beruflichen Erwägungen, wie etwa dass doch eh alles zu Staub werde zerfallen, sondern aus dem Grund, dass es doch schade wäre, für die blöden Malmöer so viel Geld rauszuschmeissen. Sie selbst habe, wie wir lesen, drei Jahre lang in Malmö gewohnt, es sei ein verschlafenes Nest, und wer unbedingt über den Sund müsse, der könne ja auch die Fähre benutzen. Ich werde der Dame empfehlen, meine kürzliche Reisebekanntschaft Rikard zu ehelichen (evangelische Theologinnen dürfen das), dann können sie den Rest ihres Lebens zusammen schimpfen, wozu die Scheiss-Skåninger so eine teure Brücke brauchen.

Da ich es bis jetzt immer noch versäumt habe, die bestehenden Unklarheiten über mein postmortales Seelenheil auszuräumen, weiss ich im Moment selbst nicht, wes' Geistes Kind ich bin, aber wenn ich tatsächlich Mitglied der protestantischen schwedischen Staatskirche sein sollte, so würde ich allerspätestens jetzt austreten. Ich verspreche mir nämlich sehr viel von der Øresundsbro, weil ich dann nämlich vielleicht mit dem Zug von München bis nach Stockholm durchfahren kann. Vielleicht sogar - wie komfortabel - im Schlafwagen. Blos weil die Malmöer doof sind, heisst das noch lange nicht, dass ich mich gerne anstelle, um dänische Kronen für die Busfahrt durch Kopenhagen zu wechseln. Auch nicht, dass ich gern in Kopenhagen meine Koffer die Treppe zur Haltestelle raufwuchte.

Aber davon haben Theologinnen ja keine Ahnung. Die wandeln einfach über den Sund.