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Die Muse küsst mich dieser Tage so heftig, dass die Läufte der Zeit mit meiner Kreativität nicht mehr Schritt halten können, und ich meine Tagebucheinträge jeweils schon einen Tag im Vorraus posten muss.

In meiner zuverlässigen Inspirationsquelle Metro fand ich heute (das heisst für Euch: gestern) wieder eine wunderbare Statistik über die beliebtesten Schönheitsoperationen. Sowohl Deutsche als auch Französinnen lassen sich am allerliebsten die Brüste vergrösern. Was soll Mann dazu sagen? Ich glaube, um ganz offen zu sprechen, nicht, dass die Mehrzahl der Männer große Brüste so wahnsinnig ästhetisch findet, aber was solls. Wir müssen ja nicht so rumlaufen. Warum aber unsere germanischen Schwestern in Schweden, die von der Natur in dieser Hinsicht ohnehin üppig beschenkt worden sind, auch noch die Brustvergrößerung jeder anderen Schönheitsoperation vorziehen, ist mir wirklich unerklärlich.

Wenn wir die Gelegenheit nutzen wollen, den Blick ein wenig in die weite Welt schweifen zu lassen, dann können wir mit Genugtuung feststellen, dass unsere Führungsnationen mit gutem Vorbild vorangehen. Nicht Busenvergrößerung sind in Amerika und Rußland gefragt, sondern Fett-Absaugung. Wer schon mächtig ist, braucht nicht auch noch massig auftreten. Geschmack beweist vor allem der Iberer, Nasenbegradigung steht in Spanien hoch im Kurs. Und die Brasilianer? Na was soll ich sagen! "Stjärtförstorning". Stjärt ist ethymologisch wahrscheinlich dasselbe wie der Sterz bei den Enten. Mir fallen da natürlich sofort die kulturellen Besonderheiten Brasiliens ein. Logisch! Ohne Hintern keinen Samba und ohne Samba keinen Karneval in Rio. Das hat schon alles seine Richtigkeit. Weisheit ist ü,brigens die Stärke der britischen Ärzte, die, anstatt eine Lieblings-Operation beizutragen, 25 Prozent der Operationen auf Grund mangelnder Erfolgsaussichten ablehnen.

Aber jetzt ganz schnell zurück nach Schweden. Und den Schwedinnen sei hinter die Ohren geschrieben, dass der allergrößte Busen nichts hilft, wenn das Herz verfinstert ist. Erstes Erlebnis: Ich fuhr mit dem Fahrstuhl aus einem unteren Geschoß nach oben. In der Mitte etwa hält die Kabine und eine etwa fünfundzwanzigjährige Schwedin steigt dazu. Erst nach einem halben Schritt jedoch bemerkt sie, dass auch ich mich im Fahrstuhl befinde. Sie lässt die Mundwinkel sinken, als sei in diesem Moment das größte Unglück auf der Welt über sie hereingebrochen, legt das Haupt schräg (was sehr doof aussieht) und dreht mir während der restlichen Fahrt den Rücken zu. Zweites Erlebnis: Ich stehe auf dem Korridor, der etwa vier Meter breit ist, und in dem wahrscheinlich fünf Leute nebeneinander bequem Platz hätten. Ein blondes Wesen im selben Alter kommt auf mich zumarschiert, mich mit den Augen durchdringend, als sei ich aus Luft oder gar nicht da. Einen halben Meter vor mir hält sie abrupt inne, blickt mich sehr böse an, so dass ich mich fast schuldig fühle, mich zu dieser Zeit an diesem Ort zu befinden, rauscht dann zwei Zentimeter an mir vorbei, in den nächsten Raum, und knallt mit Schmackes die Tür zu. So etwas passiert mir öfter in Schweden. Und ich frage mich, worin wohl der Grund dafür liegt. Es gibt natürlich nette wie auch eklige Menschen, Männlein und Weiblein, hier wie überall sonst. Und ich verlange ja auch von niemendem, dass er oder sie jedesmal in einen Freudentaumel ausbricht, wenn man sich trifft. Aber dieser Ausdruck von, nennen wir es arroganter Genervtheit, ist etwas, was mir bisher nur an Schwedinnen (einem Teil von ihnen, vielleicht zehn Prozent) aufgefallen ist. Oder? ... Moment mal! Ja, jetzt fällt es mir wieder ein!

Wunderbar kann man ein ähnliches Verhalten auch studieren bei vielen zwölfjährigen Mädchen, ganz kurz bevor die Pubertät mit Macht ihr Recht verlangt, wenn sie über ihre noch völlig unwissenden männlichen Klassenkameraden herziehen. "Der Hansi Müller hat mich heute gefragt, ob er von meinem Bounty abbeissen darf. Ich glaub, der ist in mich verliiiiiiebt! Hach! Wie der mir auf die Nerven geht!".

Mir fallen im Moment drei mögliche Erklärungen ein:

(1.) Das rauhe Klima verzögert bei einem Teil der Bevölkerung die geschlechte Entwicklung erheblich (nicht ganz unplausibel, wenn man in Betracht zieht, dass auch bei einem Teil der männlichen ausgewachsenen Bevökerung kindische Verhaltensweisen, wie etwa demonstratives Urinieren oder Speichelabsonderung in der Öffentlichkeit, gelegentlich anzutreffen sind).

(2.) Der Pendeltåg hatte mal wieder zwei Stunden Verspätung.

(3.) Vergrößerungen des Busens ziehen schwere Störungen des Hormonhaushalts nsch sich.