Make your own free website on Tripod.com
Wer das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco gelesen hat, der weiss, dass irgendwann einmal, als der Kalender allzuweit von der astronomischen Realität des Sonnenstandes abwich, irgendein Papst die geniale Idee gehabt hatte, ein paar Tage einfach ausfallen zu lassen, und auf diese Weise einfach die Erde, die bei ihrem zu schnellen Umkreisen der Sonne entwischt ist, wieder einzufangen.

Was Gottes Stellvertreter auf Erden darf, darf Deutschlands Stellvertreter in Schweden erst recht, und deshalb werde ich, um meiner eigenen überschäumenden Kreativität Herr zu werden, jetzt hier einfach einen 32. Mai einfügen. Von morgen an stimmt es dann wieder. Erich Kästner hat es sogar bis zum 35. Mai gebracht, aber mit dem kann ich mich natürlich nicht messen.

Ich hatte schon neulich auf die wohltuende Kombination: bei Mission Impossible Einschlafen - mit Batman aufwachen, hingewiesen und gestern habe ich es wieder genauso gemacht. Dabei habe ich entdeckt, dass der Zeichner zu faul war, dem Batman, wenn er redet, dauernd ein neues Gesicht zu malen, und deshalb nur den Unterkiefer rauf und runterwandern lässt. Das sieht tierisch gut aus und erinnert mich an so einen verwichsten Commisaire aus einem schwarz-weissen Krimi mit Jean Gabin, der beim stundenlangen Kreuzverhör kein einziges Mal die brennende Gauloise aus dem Mundwinkel nimmt. Ein böser Naturwissenschaftler entführte Batmans Frau (ich wusste gar nicht dass B. verheiratet ist), und injizierte ihr irgendwelche Drogen, woraufhin sie sich langsam in eine Tigerin verwandelte. Das stand ihr übrigens gar nicht schlecht, bald war sie einerseits schon recht tigerlich, andererseits aber noch ziemlich weiblich, und da sie weiter nichts trug als ihr Fell, war das Aufwachen sehr angenehm.

Ein Klacken an der Tür holte mich aus Batmanland zurück nach Schweden. Ein Zettel auf Englisch von der Hausverwaltung war in den Briefkasten geschmissen worden. Darin wurde darauf hingewiesen, dass die Balkongriller mit ihrem Rauch die Leute in den Balkons ein Stockwerk höher belästigten. Dem sei abzuhelfen auf folgende Weise, wie ich wörtlich zitiere:

"If you wish to barbecue, you must use an environment-friendly organic barbecue fluid that is bases on rapsolja...

Was rapsolja bedeutet, ist sicher leicht zu erraten, Rapsöl. Jetzt weiss natürlich jeder, dass vor einiger Zeit - sei es ein Versehen, oder nicht - genetisch modifiziertes Raps-Saatgut unter anderes Saatgut gemischt, in den Handel gekommen und ausgesät worden ist, und das sowohl in Schweden, als auch in anderen Ländern. In keinem anderen Land als Schweden würde man jedoch zwei Wochen später die Verwendung von Rapsöl als einzig umweltfreundliches Produkt seiner Sparte obligatorisch machen. Nicht, dass man grundsätzlich anders verfahren würde, aber in D. würde man das umweltfreundliche Produkt sicher eher diskret in Kantinenmahlzeiten oder in Krunchi-Knacki-Knusper-Frühstücks-Flakes entsorgen.

Aber genug gemosert. Es gibt auch Leute, die haben Probleme, die wir wiederum nicht haben:

32. Mai 2000

Mit Kaisers in einem Boot

Es gibt zur Zeit viel hohen Besuch in Schweden. Schon seit längerer Zeit kappeln sich Arafat und die Israelis an unbekanntem Ort, und jetzt ist auch noch das japanische Kaiserpaar zu Besuch gekommen. Das ist an sich erfreulich, und wir wollen es hier und jetzt mit einem herzlichen "Konnichi ha" begrüßen.

Die Begrüßung durch die hofmeisterlichen Berufsbegrüßer war sicher genauso herzlich gemeint, aber nicht gerade das, was man professionell nennen würde. Beispielsweise wurde dem Kaiserpaar beim Staatsbankett gebratene Taube serviert. Der Kaiser antwortete daraufhin, er könne leider keine Taube essen, da es der Symbolgehalt dieses Tieres in seinem Land verbieten würde, dass man es verzehrt. Nun könnte man natürlich sagen, der Kaiser soll sich nicht so anstellen, und lieber froh sein, dass er keinen Fiskpudding und keine Falukorv essen musste, gar nicht zu reden von solchen Abscheulichkeiten wie Surströmming oder Gryta (mit Rücksicht auf die Leser, die noch nicht zu Mittag gegessen haben, verzichte ich auf nähere Erläuterungen), aber es wäre vielleicht doch ganz clever, wenn man schon so etwas ausgefallenes servieren muss, sich vorher zu erkundigen.

Ein nicht weniger peinliches, aber etwas lustigeres Beispiel, ist die Bootsfahrt, die das schwedische Königs- und das japanische Kaiserpaar gemeinsam unternehmen wollten, um zwecks Besuch einer Musikveranstaltung (Oper oder so, Details hab ich vergessen) sich auf eine benachbarte Insel zu begeben. Alle saßen shon in der königlichen Barkasse, die ein bischen an eine venezianische Gondel erinnert, und wollten sich gerade durch den Mälar rudern lassen, als man feststellte, dass die Vertäung des Bootes zu lösen vergessen worden ist. Man musste als nach einem Matrosen rufen, der das Boot enttäut, flott macht, wie der Seemann wohl sagen würde. Aber wer die Schweden kennt, der kann sich denken, dass ein Matrose nicht gleich angehüpft kommt, blos weil irgendso ein König nach ihm pfeift. Es soll eine ganze Weile gedauert haben, bis man volle Fahrt voraus sich auf den Weg machen konnte (kennt Ihr diese Walt-Disney-Filme, wo Donald wie ein Wahnsinniger rudert, und nicht merkt, dass das Boot an Land vertäut ist?). Die Zeitung Metro unternahm heute früh einen rührenden Versuch, den Schaden für das Ansehen Schwedens zu begrenzen, in dem sie eine sehr detailierte Beschreibung der Knotenkombination des königlichen Boots-Taus veröffentlichte. Mangels Kenntnis der einschlägigen schwedischen Fachausdrücke bin ich ausserstande diese in deutscher Sprache wiederzugeben, aber es hört sich auf jeden Fall glaubhaft so an, als wären die vier gekrönten Häupter selbst mit vereinten Kräften ausserstande, den Knoten selbst zu lösen, auch wenn es sich um die Oberhäupter zweier großer Seefahrernationen handelt.

Alles in allem würde ich mal schätzen, dass das erste Missgeschick größeren Schaden angerichtet hat, weil es eine Regel der Höflichkeit ist, dass man den weitgereisten Gast bei sehr exotischen Gerichten vorher fragt, ob er das wirklich essen könne. Die Japaner hätten sich im umgekehrten Fall sicher vorher erkundigt, ob schwedische Könige gegrillte Bienenlarven oder rohes Pferdefleisch essen möchten. Was den zweiten Fall betrifft, so hätten die Japaner zwar wahrscheinlich schon eine Woche vorher jemanden hingestellt, der nur auf das Kommando "Leinen los" wartet, aber man wird es den Schweden sicher nicht direkt verübeln, sondern ihnen in Gedanken ein nicht gerad schmeichelhaftes, aber auch nicht böse gemeintes Attribut anhängen.