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2. Oktober

Ian.

Heute war ich mal wieder bei Ian. Wer in Schweden zum Zahnarzt muss, dem bleibt fast nichts anderes uebrig, als einen Privattandlaekare zu konsultieren, es sei denn, er koenne es sich leisten auf ewig ... im Wartezimmer zu hocken. Ich bin also bei Ian gelandet. Ian ist eigentlich kein Schwede sondern kommt aus P. Ich rufe ihn an, wenn ich ihn brauch, krieg einen Termin am selben Tag, und wenn ich dann da bin, muss ich nie mehr als fuenf Minuten warten.
Praktisch.

Mein Termin fuer heute war eigentlich angesetzt, um die fuenfte provisorische Fuellung gegen eine nicht mehr ganz so provisorische auszutauschen. Da man fuer jeden Termin einzeln, bar auf die Kralle bezahlt, rentieren sich die laufend-provisorischen Fuellungen natuerlich ganz gut - fuer Ian. Aber daraus wurde diesmal nichts. Ian stocherte mit seinem Haken in meinen Unterkiefer, und zog irgendwas grau-braunes faediges aus einer schwerzugaenglichen Kante meines ersten linken unteren Praemolaren. "Was hast Du denn da Ekliges?" Ein kurzer aeusserst fader Nachgeschmack der Operation liess mich nachfuehlen, dass dieser Fund wohl in der Tat selbst fuer einen abgebruehten Zahnarzt wie Ian ein kleines Ereignis sein musste. Der rechte Oberkiefer war damit fuer heut gestrichen. Die Spritzen sassen. Fuenf Minuten Daemmern bei schaler Popmusik von Radio hondrafemkommafem und schon geht's los.

Ian liebt den Hightech und die Apparatemedizin nicht. Das Geraet, dass er am meisten schaetzt, ist ein kleiner Haken, den er immer an einem Kleenex blankwischt, bevor er damit in das frische oder alte Loch rein bohrt. Das mit dem Haken ans Licht gefoerderte Gemisch aus Karies, verfaulten Speiseresten und Ruinen zertruemmerter Fuellungen wird sodann einer olfaktorischen Pruefung unterzogen. Ueber das Resultat dieses Tests bewahrt er Stillschweigen. Mit den anderen Geraeten hat er nicht immer soviel Glueck. Einmal hat er mir den Speichelabsauger so tief in den Hals gerammt, dass mein Brechzentrum fast die Oberhand gewonnen haette. Ein anderes mal ist er mit dem Bohrer an meinem Karies ab- und in den schmalen Hautfetzen zwischen Zunge und Unterkiefer hineingerutscht. Ich hab das zuerst nur so halb mitgekriegt, wegen der Anaesthesie. Ich hab nur gemerkt dass er ploetzlich mit dem Absuger panisch in meinem Mund herumgefuhrwerkt hat. Jetzt, wo die Betaeubung nachgelassen hat, merk ich almaehlich, warum er so blass geworden ist. Ich bin es jetzt auch. Zum Glueck hab ich immer eine Schachtel Ibuprofen da.