Renault sport Spider
 
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Vergleich zwischen einem Renault Sport Spider ohne Scheibe und der Lotus Elise

Was'n das?" fragt verwirrt der Kontrollposten bei der Einschiffung im Hamburger Hafen. Irritiert betrachtet er das knallgelbe Geschoß, dem jegliche Scheiben fehlen, an die er seine Plakette hätte er kleben können: einen Renault Sport Spider. Wie gut, daß der Hintermann wieder etwas - allerdings auch nicht viel - ziviler aussieht: Ein Lotus Elise, der nicht zuletzt dank der Windschutzscheibe das Wohlwollen des Fährpersonals gewinnt.
Diese Begegnung ist typisch für die Erfahrungen, die wir mit den beiden Exoten machten. "Wo ist den die Windschutzscheibe?" war die Frage, die wir am häufigsten zu hören bekamen. Jeder Halt, jeder Tankstopp fördert die Kommunikation mit der Umwelt. Kaum ein Fahrzeug sorgt für soviel Aufmerksamkeit wie der Spider.

Bereits optisch offenbaren beide Sportler ihre Unterschiede: Der oder die Elise wirkt harmonischer fast schon knuffelig. Wer den Lotus im Rückspiegel sieht, wird an eine etwas aufgeblasene Fiat Barcetta oder wegen der runden Scheinwerfer, einen älteren 911 Porsche erinnert.
Das andere Extrem verkörpert der Renault. Wer ihn im Rücken hat, wird automatisch die linke Spur der Autobahn räumen - so aggressiv wirkt der Spider. Und er sieht durch den hohen Überrollbügel und vor allem durch die helmtragenden Insassen auch wirklich extravagant aus.
Die Helme sind ein Muß: Wer den Sport Spider nur auf einen leeren Großparkplatz hin und her bewegt, kommt ohne Schutz aus. Bei höheren Geschwindigkeiten, etwa ab Tempo 50, sollt mindestens eine Brille getragen werden. Und wer zügig auf der Landstraße unterwegs ist greift freiwillig zum Helm.
Das Weglassen der Windschutzscheibe ist prinzipiell eine tolle Idee, die das Fahren im Spider zu einem besonderen Erlebnis werden läßt Der Spider vermittelt das Gefühl, in einem offenen Rennwegen zu Sitzen. Damit die Insassen nicht zu sehr der entgegenströmenden Luft ausgesetzt sind entwickelten die französischen Ingenieure einen wirksamen Windabweiser vor dem Cockpit. Er sorgt dafür, daß der Luftstrom und auch leichter Regen beim Fahren über die Köpfe hinwegzieht. Trotzdem kann man auf den Kopfschutz nicht verzichten: Im Test zerschellte bei etwa 70 km/h ein Vogel am Helm des Beifahrers - die Überreste klebten an der Frontscheibe des hinterherfahrenden Elise.

Der Lotus kennt Probleme dieser Art natürlich nicht. Umgeben von der großen Windschutzscheibe und dem dicken Überrollbügel nehmen die Insassen nur wenig Einflüsse von außen wahr. Selbst bei höheren Geschwindigkeiten bleibt es in dem kleinen Engländer erstaunlich ruhig. Sogar auf die Kappe kann man verzichten.

So unterschiedlich wie die Kopfbedeckung, so unterschiedlichste auch das Fahrverhalten den Sportler. Gemeinsam haben sie eigentlich nur eines: Bei machen unheimlich viel Spaß:
Der Elise ist ein echtes Leichtgewicht. Nur 690 Kilogramm bring er auf die Waage, so das selbst die auf den ersten Blick etwas mager erscheinenden 120 PS dem Wagen zu einem hervorragenden Leistungsgewicht verhelfen. Nach dem großen und schweren Esprit-Modellen ist der Elise eine späte Rückkehr zur Philosophie des Firmengründers Colin Capman, für den Leichtbau des wichtigste Konstrukionsmerkmal war. 
Auch wenn der 1,8 Liter große Reihenvierzylinder kein übertrieben sportliches Aggregat ist, so spurtet der Elise in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100. Das ultimative Fahrerlebnis findet man auf kurvenreichen Landstraßen. Dort verwandelt sich der Roadster in ein Go-Kart für die Straße. Die direkte Lenkung, das straffe Fahrwerk und die stark hecklastige Gewichtsverteilung (über 60 Prozent des Gewichtes ruhen auf der Hinterachse) sorgen für Driftwinkel, die bislang nur aus Indoor-Kartbahnen bekannt waren. Wie die kleinen Hallenflitzer bleibt auch der Elise immer berechenbar und gut beherrschbar.
Das passend abgestimmt Getriebe kratzt allerdings ein bißchen an dem guten Bild, denn die Wege zwischen den einzelnen Gängen sind zu lang. Aber auch hier hat Lotus eine Lösung parat: Spätestens '98 soll es ein neues Sportgetriebe geben.
So leicht wie das Fahren auf der Landstraße ist, so unruhig wird es bei höheren Geschwindigkeiten. Das Fahrverhalten des Lotus wirkt nicht mehr stabil, zumal man auch nichts von einem aerodynamischen Effekt merkt, auf dem Lotus stolz ist: Eigentlich sollte die beschleunigte Luft, die durch die Kühlerauslässe auf der Fronthaube ausströmt, den Vorderwagen stabilisieren.

Ganz anders der Renault: 

Hier geht praktisch nichts mit der Mühelosigkeit des Elise. Mit 930 Kilo ist der Spider zwar immer noch ziemlich leichtgewichtig, aber nicht mehr mit dem Lotus zu vergleichen.
Dafür liefert sein Zweiliter-Motor stramme 150 PS. Das führt zwar zu einem schlechteren Leistungsgewicht, aber trotzdem hat man das Gefühl, im stärkeren Wagen zu sitzen.
Vielleicht liegt es auch an der Geräuschkulisse: auch wenn beide Fahrzeuge ich besonders gehaltvoll klingen so hat der Renault akustisch doch die Nase vorn. Der Elise-Sound ist kaum von dem einer Mittelklasse-Limousine zu unterscheiden.
Zwar sind Landstraßen auch das Reich des Sport Spiders, doch ganz eng und verwinkelt sollten sie nicht sein - dafür ist der Wagen einfach zu breit. Dafür sind mit dem Renault wesentlich höhere Kurvengeschwindigkeiten möglich, zumal er wie das vielzitierte Brett auf der Straße liegt. Erst wenn man es vorsätzlich provoziert, bricht der Spider hinten aus - er ist dann aber schwieriger zu beherrschen als der Lotus. Das ideale Revier des Spider ist die Rennstrecke, auf der er den Briten klar abhängt.
Positiv wirkt sich das Fünfganggetriebe des Renault aus, dessen Gänge nicht nur Perfekt abgestimmt sind, sondern dessen kurze Schaltwege auch für viel Freude sorgen. Nur der Rückwärtsgang, der durch Drehen des Schaltknaufs eingelegt wird, bereitet manchmal Probleme: Beim Schnellen und etwas unkonzentrierten Einlegen des ersten Gangs ging es bisweilen nach hinten los. (Diese Erfahrung habe ich noch nicht gemacht)
Das Fahren mit Sport Spider erfordert mehr Kraft als im Lotus. Nicht nur die Pedalerie ist schwergängiger. Vor allem die nicht Servo-unterstützte Lenkung braucht kräftiges Zupacken. Der Lotus der auch ohne Servolenkung auskommt, ist dank seiner schmaleren Reifen deutlich leichter zu steuern.
Unterschiede gibt es auch bei den Bremsen, die für einen Sportwagen mindestens ebenso wichtig sind wie seine Beschleunigung. die großen Renault-Bremsen verzögern kräftig und bleiben auch bei extremen Beanspruchung uneingeschränkt wirksam. dafür ist die Dosierung der Bremsleistung schwierig: Zunächst hat man das Gefühl, es würde nichts passieren. Beim kräftigen Tritt auf das Pedal setzt die Bremsleistung dann unvermittelt ein. Der Lotus, der mit relativ kleinen Bremsscheiben auskommt, weil sie aus dem neuartigen MMC-Verbundwerkstoff gefertigt sind, verzögert ebenfalls gut, liegt aber bei Vollbremsungen etwas unruhig auf der Straße. Auch seine Bremsanlage zeigt keinerlei Ermüdungs-Erscheinungen.
Deutliche Klappergeräusche treten hingegen bei beiden Sportler auf. Sie rühren jedoch nicht von der unsolider Verarbeitung her, sonder von der Rennwagen-typischen Bauweise, die komplett auf geräusch- und vibrationsdämmende Maßnahmen verzichtet. Leider sind werder der Lotus noch der Renault  mit ABS oder Airbag lieferbar. Nur die Spider Version mit Windschutzscheibe besitzt einen Fahrer-Airbag.
Die unterschiedlichen Philosophien der beiden Fahrzeuge werden auch im Innenraum deutlich. In dem Renault gelangt man durch aufsehenerregenden Schwenktüren. Sein Inneres ist kaum weniger spartanisch als das eines Formel 1 Wagens. Drei Rundinstrumente hinter dem Lenkrad und eine Digitalanzeige für die Geschwindigkeit in der Mittelkonsole müssen genügen. Heizung. oder CD-Player gibt es nicht. (Warum auch?)
Gemessen am Elise sind die Sitze im Spider recht bequem. die verstellbare Pedalerie erlaubt es, eine optimale Sitzposition zu finden. Ansonsten herrscht Rennwagen-Atmosphäre pur: Gelochte Pedale und Aluboden sind sonst nur im Motorsport zu finden.
Aber auch der Elise hält Motorsport-Traditionen aufrecht. Wer über die breiten und hohen Türschweller geklettert ist und endlich in den äußerst harten und tiefen Sitzen Platz genommen hat fühlt sich wie in einen Gruppe-C-Rennwagen. Das liegt auch daran, daß beide Sitze zur Mitte versetzt sind. Darüber hinaus bemüht sich der Lotus sehr, einen gewissen Nutzwert zu bieten: Heizung mit Gebläse, Innenraumbeleuchtung und Gepäcknetz sind drin. Gegen Aufpreis sind sogar Radio und  -  zumindest auf einigen Märkten - Klimaanlage erhältlich.Eine Enttäuschung sind die Instrumente des Elise, die aus einem Elektronikbaumarkt zu stammen scheinen. Die Briten opferten ihren klassischen Stil der niedrigeren Produktionskosten.

Im Kapitel Alltagstauglichkeit schneiden beide Fahrzeuge schlecht ab (Was heiß eingentlich Alttagstauglichkeit bei einem solchen Auto?). Der Renault mehr noch als der Lotus. Dieser verfügt hinter dem Motorraum über ein kleines Taschenabteil, das aber meistens schon vom Dach belegt ist. Das Aufziehen den Vinyldaches erfordert etwa Übung, ist im Grunde jedoch einfach, Richtig wasserfest wird der Elise dadurch allerdings nicht. Auf die Dauer und bei starkem Regen dringt Feuchtigkeit in den Innenraum ein.
Der Spider nimmt im Regen keinen Schaden. Schon eher der Fahrer - der sitzt nämlich immer im Freien. Die einzige Möglichkeit, den Renault zu schließen, ist die Persenning, die man über das Cockpit spannen kann. Ein Dach gibt es nicht, auch nicht bei der Version mit Windschutzscheibe (doch bei einem Zubehör-Lieferanten bis max ca 80 km/h). Dafür lassen sich unter der der großen Frontklappe des Sport Spider ein bis zwei Taschen verstauen.(Doch ein "Nutzwert"?)
Anerkennung gebührt aber auch beiden. Renault hat mit dem Sport Spider Mut bewiesen. Viele Großserienhersteller stellen interessante Studien vor, aber die wenigsten bauen solche Autos wirklich. Hut ab, meine Herren. Lotus zeigt wie konsequenter Leichtbau aussehen kann. Und daß sich echte Exoten mit großem Namen nicht in sechsstelligem Preiseregionen bewegen müssen.
Doch auch wenn der Anschaffungspreis mit rund 50.000 Mark recht zivil ausfällt, sollte man besser auf einen 100.000er Lottogewinn hoffen. Dann bleibt einem die Qual der Wahl erspart.
  
Technik und Fakten Renault Sport Spider Lotus Elise
Motorbauart Otto-Vierzylinder-Reihenmotor Otto-Vierzylinder-Reihenmotor
Anzahl Nochenwellen 2 obenliegende 2 obenliegende
Ventile pro Zylinder 4 2
Motor-Einbaulage Mitte quer Mitte quer
Hubraum 1.998 cm³ 1796 cm³
Bohrung X Hub 82,7 x 93,0 mm 80,0 x 89,3 mm
Leistung 108 kW / 150 PS 88 kW / 120 PS
bei Drehzahl 4.500 U/min 3.000 U/min
Getriebe 5 Gang Saltgetriebe 5 Gang Saltgetriebe
Antrieb Heckantrieb Heckantreib
Fahrwerk vorn Doppel-Dreiecksquerlenker Doppel-Querlenker
Fahrwert hinten Dreiecksquerlenker Doppel-Querlenker
Reifen vorn 205/50 R 16 185/50 R 15
Reifen hinten 225/50 R 16 205750 R 16
Bremsen vorn / hinten Scheben innenbel. / Scheiben Scheiben innenbel./ Scheiben
Länge / Breite / Höhe 3.795  / 1.830 / 1.250 mm 3.726 / 1.701 / 1.202 mm
Radstand 2.343 mm 2.300 mm
Wendekreis 9,8 m 10,5 m
Leergewicht 930 kg 690 kg
Zuladung 200 kg 200 kg
Kofferrauminhalt   ------- -------
Tankinhalt 50 l 40 l
Reichweite 526 km 430 km
Anhängerlast ------- -------
Innengeräusch ------- -------
Service Intervalle 10.000 km 15.000 km
0 - 100 km / h 6,9 s 5,9 s
80 - 120 km / h ( 5. Gang) 9,6 s 9,5 s
Höchstgeschwindigkeit 215 km / h 202 km / h
Testverbrauch 9,5 l Super 9,3 l Super
Grundpreis ca. 55.000 DM ca. 49.000 DM
Ausstattung
ABS -------  ------- 
Aibag  Fahrer / Beifahrer / Seiten  ------- -------
Bordcomputer ------- -------
Elektrische Außenspiegel ------- -------
Automaitkgetriebe ------- -------
Fahresitz höhenverstellbar ------- -------
elektrische Fensterheber v / h ------- -------
Lederausstattung ------- ca 1.500 DM
Leichtmetallräder O O
Lenkrad verstellbar ------- -------
Metallic-Lack O ca 1.500 DM
Radio / Cassette / CD /  ------- auf Anfrage
elektrisches Verdeck ------- -------
Servolenkung ------- -------
Sitzheizung ------- -------
elektrische Sitzverstellung ------- -------
Tempomat ------- -------
Zentralverriegelung O O
Steuer 240 DM 216 DM
Noten
Inneraum 3 3
Kompfort 4 4
Qualitätseindruck 3 3
Fahrverhalten 1 2
Motor / Antieb 2 3
Fahrleistungen 2 2
Verbrauch 3 3
Sicherheitsausstattung 5 5
Kaufpreis 3 2
Unterhaltkosten 3 3
Gesamtnote 2,9 3,0