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june of 44 interview





tell music zine: german interview

Gut Ding will Weile haben, zumindest manchmal. Nach vier Wochen h–flicher Entschuldigungen von Touch and Go liegt nun endlich ein Fax von Jeff Mueller mit seinen Antworten auf meinem Schreibtisch.(Bemerkung: das war Ende Januar 96) Eine Seite Antworten auf zwei Seiten Fragen - schade, die interessanteren, weil tiefer gehenden Fragen bleiben unbeantwortet. So bleiben mir einige einleitende und erg”nzende Worte und Spekulationen nicht erspart:

June of 44 sind Doug Scharin, Fred Erskine, Sean Meadows und Jeff Mueller. Aus unterschiedlichen St”dten von Washington bis Louisville kamen die vier im Herbst '94 in New York zusammen und nahmen nach wenigen Probewochen in vier Tagen ihr Album auf. Wenn man bedenkt, wie fein gestrickt und ausgereift die dabei entstandenen Aufnahmen sind, ist das schon ziemlich verwunderlich, leider gab es aber auch zu diesem Thema keine Antwort. 'Engine Takes To Water' z¸ndete bei mir erst im zweiten Anlauf, als Urlaubswalkmanfutter. Das verwundert mich im nachhinein auch nicht besonders. June of 44 sind eben keine leichte Popkost und auþerdem entwickelt die Abmischung des Albums gerade auf Kopfh–rern ihren Reiz, doch dazu sp”ter. F¸r mich stand nach dem Urlaub eines fest: June of 44 sind eine der spannendsten und sowohl emotional, wie auch physisch (Lotta nennt mein Luftschlagzeugspielen mit geschlossenen Augen immer "rumspaken") bewegendsten Bands zur Zeit.

In wieweit bewuþt an Louisville-Tradition/-Ÿsthetik angekn¸pft wird, beantwortete Mueller leider ebensowenig wie jeglich Fragen nach seiner alten Band Rodan (deren Jason Noble nun mit Rachel's ebenfalls supertolle (wenn auch vollkommen andere) Musik macht und in einem fr¸heren Rodan Interview einmal sagte, Rodan w¸rden sich niemals aufl–sen, sondern immer nur f¸r eine Zeit pausieren). Ich denke, daþ, gerade was den Gesang angeht, June of 44 ohne Slint mit Sicherheit nicht denkbar gewesen w”ren, sie gehen aber deutlich ihren eigenen Weg, den ich in diesem Zusammenhang als "vielseitiger", "kontrastreicher" und "lebendiger" beschreiben w¸rde. Interessant ist auch die Abmischung des Albums: die beiden Gitarren sind nur auf jeweils einem Kanal zu h–ren, was an einigen Stellen, in denen beide fast das gleiche spielen aber dann doch immer um Haaresbreite voneinander abweichen, ziemlich gut wirkt. Tolle Musik auf jeden Fall, viel Kopf aber auch jede Menge Bauch. Und das geht so:

In most cases, our music starts from an initial idea or skeleton, and the band pulls everything together. It's like having a sentence which is missing all the vowels, and everybody comes and pencils their their own ideas in.

Wer Doug Scharin als Drummer der 94er Codeine-Tour erlebt hat, weiþ, daþ sein Schlagzeugspiel alles andere als spakig (s.o.) ist. Ich habe noch nie einen Drummer gesehen, der jeden einzelnen Schlag mit soviel Gef¸hl und einem schon hart in Richtung Tai-Chi tendierenden K–rpereinsatz abgibt. Sein Schlagzeugspiel stand aber dennoch eher im Hintergrund des Gesamtsounds, unterst¸tzte zwar, pr”gte aber nur an wenigen Stellen direkt mit. Anders bei June of 44: die Drums sind allgegenw”rtig, setzen st”ndig Akzente und sind mit all ihren kleinen Wirbeln und Verschiebungen innerhalb der dadurch kaum noch als solche zu erkennenden 4/4-Takte hauptverantwortlich f¸r den lebendigen Sound der Band. W”hrend die anderen Instrumente relativ konstant ihre Ideen verfolgen, bricht Scharin immer wieder aus und klingt dadurch ”hnlich dominant (und faszinierend) wie John McEntire bei Sea and Cake.

Doug Scharin plays drums. His voice is as audible as is any of ours. If it sounds like the drums are leading the music, it's only because you can hear them, as with bass guitar. We want everything to be heard. There really isn't one leader here. We follow each other. Drums are often masked by painfully loud guitar, and even louder vocal styling, which hide bass even stronger. We just want everything to be heard.

Ich fand es sehr bemerkenswert, daþ der Gesang einerseits super gef¸hlsgeladen und pers–nlich klingt, die Texte aber fast komplett in der 3. Person stehen.

In many, or most cases a song is about him or her and not necessarily about an "I" or a "you". In the situations where it may be about one of us, third person makes us more comfortable. "I" or "you" almost makes it less personal. It's a good question!

Der Gesang kennt dabei nur zwei Extreme: entweder er ist gesprochen, fast gefl¸stert, oder es wird aus tiefster Seele geschrien.

I don't know if it is entirely true that we either speak softly or scream altogether. It seem like we try to incorporate some singing and many variants inbetween. So in response to our vocals reflecting our personalities - Yes, I guess so, in a subtle way.

An einigen Stellen des Albums gibt es Klangcollagen, wie ja auch auf den etwa parallel entstandenen Alben von Tortoise und den Rachel's. Kommt das jetzt in Mode, oder was hat es damit auf sich?

Sound pieces are often constructed and placed before the song is finished. In response to your question why they are so popular right now - Why couldn't you have asked why "songs are so important right now" to bands that do a lot of home recording. a sound piece is just as important as a song.

Parallelen zu den oben erw”hnten Bands ergeben sich auch durch die Cover, die allesamt bei Fire Proof Press in Chicago gedruckt wurden und jedes f¸r sich ein kleines Meisterwerk sind.

Fire Proof is run by friends of ours, so we like to keep things in the family. They do amazing work, as well as keep their cost somewhat low for what they are doing.

(Bem.: Tortoise, die als erste mit derartigen Covern erschienen, sind bei ihrem neuen Album inzwischen auf Thingmakers in Seattle umgestiegen, allerdings in einer ”hnlichen optischen Ÿsthetik. Unser Versuch, das Cover dieses Heftes daran anzulehnen blieb leider bei der Papierauswahl in den Kinderschuhen stecken)

Wie sieht das gemeinsame Banddasein aus?

The way we work is rather non-sensible in that we have been around each other, physically, for 5 months, which include: 2 week rehearsal and record 1st record; 1 week tour; 6 weeks tour and release first record; 9 weeks 14shows, record and release LP and the EP. The rest of our time is filled with other projects. Doug is in REX and a dub band called HIM. Fred is in the CROWNHATE RUIN. Sean is in LUNGFISH and THE SONORA PINE (with Tara of Rodan). I am working in an Art project in Louisville, Kentucky. The way this band works frees all of us up for other things more centrally-based.

Wie muþ man sich einen June of 44-Auftritt vorstellen? Sind Auftritte in Europa geplant?

Live shows are generally more aggressive and energetic. We often have a projectionist with us who projects films on us while we play - images of boats and airplanes. Not much talking, just playing our music. We will be coming to England/Germany/Austria. I guess it would be easier to say that we are touring europe in late fall/early winter this year. 9 months from now.(Januar 95)

Die kurzen Antworten schiebe ich nun auch nicht mehr auf Schreibfaulheit, das "laþ doch gef”lligst die Musik f¸r sich sprechen" schwingt ja in allen Antworten mit. Vermutlich hat er Recht und ich h”tte mir den ganzen Stapel unbeantworteter Fragen, die nach einer Best”tigung meiner pers–nlichen Assoziationen schielten, von vornherein sparen k–nnen. Der Drang, Musik genauso verstehen zu wollen, wie sie gemeint ist, ist bei Bands wie June of 44, deren Ausdruck in kunstvoller Ÿsthetik und nicht in festen Aussagen wor¸ber auch immer besteht, tats”chlich wohl fehl am Platz. Genauso ist es vermutlich auch mit Fragen nach Verh”ltnis und Connection zu automatisch mit ihnen in Kontakt gebrachten Bands bzw. Exband-Mitgliedern. Es hat nichts mit der eigenen Musik zu tun und f–rdert nur Szene- und Schubladendenken, denkt Jeff Mueller sich vermutlich und hat damit einerseits Recht, interessiert h”tte es mich aber schon. Ðberraschend un-artsy (um nicht zu sagen ¸berraschend unartig) finde ich dagegen sein Selbstporttait. Anscheinend nimmt er die Brille auf Photos immer ab. Egal, tolle Band auf jeden Fall. Ein neues Album ist bereits aufgenommen und soll im Juni erscheinen. Produziert hat, wenn ich richtig verstanden habe, Bob Weston und die neuen St¸cke sollen Touch and Go nach zu urteilen wieder toll sein. Auþer dem Album 'Engine Takes To Water' auf Quarterstick/EFA ist mir noch ein Singlebeitrag auf 'Green' vom Magic Eye-Label bekannt.
Arne

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